Montag, 13. August 2012

Hier bin ich Nerd, hier darf ich's sein


Tanelorn-Sommertreffen 2012, Teil 1

Mein Blog sollte, so jedenfalls der Plan, auch dazu da sein, über Spielerlebnisse zu berichten. Und wo spielt man mehr als auch Cons und anderen Spielertreffen. Deswegen ist es nur angemessen, meinem liebsten Treffen eine Artikelserie zu gönnen: Dem Tanelorn-Treffen.

Zweimal im Jahr treffen sich einige Tanelornis (diesmal waren es ca. 70) auf der Jugendburg Hessenstein zum gemeinsamen Spielen, Kennenlernen und allem, was das Rollenspielerherz begehrt. Das Ganze geht jeweils von Donnerstag bis Sonntag. Die Spielrunden werden vorher im Forum abgesprochen oder finden sich spontan.

Dieses Sommertreffen war mal wieder großes Kino, und aktuell befinde ich mich noch in dem Stadium, den man im Forum manchmal „Nachtreffen-Blues“ nennt. Aber mit den frischen Eindrücken im Hinterkopf schreibt es sich besser. Also los:

Das Treffen begann für mich mit dem üblichen Freizeitstress, allerdings diesmal hoch zwei. Ich hatte mir sechs Spielrunden aufgehalst, was definitiv zu viel war. Normalerweise sind vier Runden drin, jeweils Freitags und Samstags zwei. Ich hatte Donnerstag Abend eine Runde, Freitag drei und Samstag nochmal zwei. Vier davon als Spielleiter...

Also bereitete ich vor, druckte und laminierte was die Geräte hergaben. Und war in der tat rechtzeitig fertig. Um 2 Uhr morgens vor der Abfahrt. Also am nächsten Tag so lange wie möglich geschlafen, gepackt, ab zu meinem Fahrer Jens und nach einem kurzen Einkauf waren wir gegen 13 Uhr unterwegs. Alles nach Plan, wie auch unsere Ankunft gegen 16 Uhr.

Also alle begrüßt, Zimmer bezogen und im Burghof mit den anderen palavert. Man sieht diese Horde Leute halt zu selten, was extrem schade ist. Kurze Zeit später war es dann wieder so, als wäre man nie weg gewesen.

Am Abend ging dann mein Rundenprogramm los, zu dem ich jetzt nicht allzuviel sagen will. Dazu folgen in den nächsten Tagen separate Artikel. Auf dem Programm standen:


Volles Programm also. Nächstes Treffen halte ich mich zurück. Oder versuche es. Mal sehen.

Sonst war das Treffen gewohnt routiniert. Die alten Hasen kennen sich aus, die Neulinge fügen sich schnell ein. Ich habe viele tolle Gespräche geführt, insgesamt ca. 17 Stunden geschlafen und einfach nur viel Spaß gehabt.

Besonders toll fand ich diesmal die Versteigerung am Samstag Morgen. Zugunsten der Serverkasse konnte jeder Bücher und Spiele mitbringen, die von Niniane und Dreamdealer angeboten und unters Volk gebracht wurden. Es stand eine bunte Palette zur Auswahl, zu der auch Uhrwerk und Ulisses mit einigen Spenden beigetragen hatten. Ich kann gar nicht sagen, wie viel zusammen gekommen ist, aber am Ende war alles weg (glaube ich). Topseller war übrigens das brandneue Space 1889-Regelwerk auf Deutsch.

Der Auktionstisch kurz vor Beginn der Auktion

Ich selbst bin eigentlich bei allen Dingen überboten worden, die mich interessierten. Macht ja nichts, das Geld kommt ja dem Forum zugute. Und immerhin habe ich jetzt eine englische Ausgabe vom Herrn der Ringe, die mich nur 1,- Euro gekostet hat.

Natürlich ging es dann wieder viel zu schnell vorbei. Das Aufräumen am Sonntag ging erstaunlich schnell von der Hand. Im Hof sammelten sich kleine Grüppchen, das allgemeine Verabschieden ging los. Und um 11 Uhr waren wir schon wieder unterwegs nach Hause...

Wermutstropfen in der Nachbetrachtung: Das Essen auf der Burg war dieses mal durchwachsen, was bei einigen Teilnehmern zu Magenproblemen führte, unter anderem bei mir. Sonst ist es solide JuHe-Kost, dieses Mal war es teils unerträglich. Freitag Mittag war es einfach schauderhaft, Samstag haben wir Abends zum Glück gegrillt. Das kann die Burgküche besser, hoffentlich erinnern sie sich im Winter daran.

Fazit: Keine große Überraschung - Im Winter bin ich wieder dabei. Das Treffen ist klasse, um einfach die Seele baumeln zu lassen (obwohl es durch den Schlafmangel physisch recht anstrengend ist) und seinem Lieblingshobby in Ruhe unter gleichgesinnten nachzugehen.

Mittwoch, 1. August 2012

Meine 10 für die Insel

Da ich sowieso mal wieder über Rollenspiele bloggen sollte, kann ich auch einfach auf den Zug aufspringen, der auf Norberts Analogkonsole los ging und der derzeit durch die deutschen Blogs dampft. Diverse Blogs, die ich öfter lese sind auch dabei, und was wäre das Leben ohne etwas Gruppenzwang?

Also hier meine Liste der 10 Rollenspiele, die ich auf jeden Fall behalten würde.

1. Legend of the Five Rings 4th Edition - Ich liebe den Hintergrund und das Spielgefühl von L5R (obwohl ich den Metaplot seit dem Scorpion Clan Coup geflissentlich ignoriere). Dazu die Regeln der 4th Edition, die in meinen Augen die bisher beste Inkarnation des Roll&Keep-Systems sind, sowie das überragende Artwork der Bücher - Klare Entscheidung!

2. Pendragon - Meine "Große Liebe". Egal welche Edition, Pendragon ist ein Spiel, das ich jederzeit spielen würde. Einfache Regeln, die trotz ihres Alters immer noch modern sind, die das Genre perfekt abbilden und genau das leisten, was sie sollen. Ritterepik vom feinsten. Aber mit meiner Faszination von diesem System könnte ich mehrere Posts füllen, deswegen soll das an Schwärmerei (vorerst) reichen.

3. Fiasco - Ich habe noch nie eine schlechte Runde Fiasco gespielt. Einige meiner absoluten Runden-Highlights waren Fiasco-Runden, und da ist noch viel Luft für mehr.

4. Montségur 1244 - Würfellos, spielleiterlos, erzählerisch. Dazu ein historisches Setting, Drama und schwere Entscheidungen. Trotz der vorgegebenen Charaktere hat Montségur einen enormen Wiederspielwert.

5. Dogs in the Vineyard - Noch ein Indie. Mein erstes, übrigens. Das Bietsystem von DitV zieht den Spieler zwar auf die Metaebene, ist aber gut durchdacht und sorgt für Spannung und Drama. Dazu die Ausrichtung auf moralische Fragen und Dilemmas, und man hat ein tolles Spiel.

6. Desolation - Endzeit-Fantasy. Nach der Nacht des Feuers müssen die Überlebenden eine neue Zivilisation erschaffen, während sie täglich ums Überleben kämpfen. Umgesetzt mit den Ubiquity-Regeln, die ich sowieso sehr gerne spiele, dazu ein interessanter Ansatz, den Hintergrund zu vermitteln, und stimmungsvolles Artwork.

7. Buffy the Vampire Slayer Revised Core Rulebook - Ja, ich bin ein Fanboy. Eigentlich reicht das als Begründung. Die Umsetzung mit den Cinematic Unisystem macht einfach Spaß. Und Teenie-Drama hat noch nie jemandem geschadet.

8. Savage Weird War II - Nazi-Zombies und Wehrwölfe. Was braucht man mehr? Savage Worlds ist zwar nicht mein Go-to-System der Wahl, aber zusammen mit diesem Setting rocken die Regeln ordentlich.

9. Warhammer Fantasy Roleplay 2nd Edition - Einfache Regeln, die angemessen Grim & Gritty sind. Schnell vorzubereiten, unkompliziert und schnell zu spielen.

10. Hellas - Worlds of Sun and Stone - Griechen im Weltraum. Noch Fragen? Immerhin ist das hier Sparta!



Bei der Auswahl sind einige Systeme hinten runter gefallen. Song of Ice and Fire von Green Ronin, zum Beispiel, das letztlich zu verbuggt ist, um mir langfristig Freude zu machen. PDQ# und FreeFATE waren auch heiße Kandidaten. Dungeonslayers und Space Gothic spiele ich zwar gerne, aber nur mal so nebenbei. Star Wars Saga Edition ist Spaß in Tüten, aber mir zu aufwändig. Hollow Earth Expedition hat zwar Nazis und Dinosaurier, aber Desolation finde ich dann doch cooler.

Insgesamt zeigt mir diese Übung mal wieder, dass es viel zu viele Spiele gibt, für die ich viel zu wenig Zeit habe.

Dienstag, 5. Juni 2012

J'ai fini!

Nachdem ich letzte Woche meine ersten Ergebnisse für Might & Reason vorzeigen konnte, habe ich das verregnete Wochenende genutzt, um das komplette Bataillon fertig zu bemalen. Et voilà:

Regiment No. 55 Waldner
Ich bin sehr zufrieden mit der Bemalung, da ich bei diesen Figuren erstmals einige Techniken (erfolgreich) ausprobiert habe. Zum Beispiel Highlights und die Fahnen. Außerdem waren die Bases ein Experiment: Da die Basegröße mit 25x25mm für sechs Minis arg klein ist, habe ich auf den Holzbases mit Miliput eine dünne Schicht aufmodeliert, in die ich Einlässe für die Standfüße der Miniaturen modelliert habe. Dadurch konnte ich die Bases in ruhe bemalen, bevor die Figuren aufgeklebt wurden. Das macht die Bases zwar massiver, was optisch aber glücklicherweise nicht groß ins Gewicht fällt.

Die Miniaturen sind von Pendraken im Maßstab 10mm, aus der Linie für den Siebenjährigen Krieg.

Samstag, 2. Juni 2012

Lebenszeichen

Es ist ziemlich lange still auf diesen Seiten gewesen. Der "Ernst des Lebens" hatte mich einige Zeit fest im Griff. Mittlerweile sieht es besser aus, deswegen ein kurzes Update, was bei mir gerade aktuell ist.

Rollenspiel:

Letzten Oktober haben wir das große Finale unserer 7th Sea-Kampagne gespielt. Die Erzschurkin wurde von einem der Helden mit in den Tod gerissen, der sich für die Gruppe geopfert hat. Diese Runde war die erste mehrjährige Kampagne, die ich als Spielleiter bis zum Ende gebracht habe. Wir haben knapp dreieinhalb Jahre gespielt, und das im Regelfall einmal wöchentlich.

Im November haben wir ein paar Systeme angetestet, um ein neues Spiel für diese Runde auszusuchen. Der Prozess hat sich etwas hingeschleppt, nächstes Mal sage ich als SL einfach an, mit was weitergemacht wird. Aber wir haben etwas neues und vorletzte Woche auch damit angefangen: Hellas - Worlds of Sun and Stone. Bis jetzt lässt es sich recht gut an, ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Ebenfalls vorletzte Woche ging eine neue Pendragon-Kampagne los. Wir spielen zweiwöchentlich, weswegen wir erst eine Sitzung gespielt haben. Aber ich liebe dieses System einfach und freue mich sehr, es wieder regelmäßig zu spielen. Selbst ohne diesen Bonus muss man sagen, dass die Runde gerockt hat. Zwar standen wir kurz vor einem TPK (Totel Party Kill), aber es war ungeheuer spannend, wie alles auf ein oder zwei Würfelwürfe hinaus lief. Nächste Woche geht es weiter, mal sehen, wie es weiter läuft.

Ansonsten habe ich dieses Jahr bisher Fate und Savage Worlds im Wilden Westen mit den hannoveraner Tanelornis gespielt, konnte das neue Herr der Ringe-Rollenspiel The One Ring testen (tue es sogar immer noch), und ein paar neue Regelwerke haben ihren Weg zu mir gefunden, die auch noch getestet werden müssen.

Das Tanelorn-Wintertreffen und Hannover spielt! waren auch noch, wären aber jeweils eigene Artikel wert. Für die ich bisher zu faul war. Aber beide waren toll.

Wargaming:

Das Projekt Might & Reason läuft immer noch. Eigentlich wollten Christian und ich auf dem Spielzug, der Wargaming-Messe des 3TH Hannover, eine Schauplatte vorstellen. Es sollte die Schlacht bei Bergen werden, allerdings haben wir uns nicht mit den Vorbereitungen rangehalten. Der Spielzug ist Anfang September, bis dahin bekommen wir es nicht hin, 31 Regimenter zu bemalen.

Trotzdem geht es mit meinen Franzosen für den Siebenjährigen Krieg voran. Und es gibt endlich mal was Vorzeigbares:


Das komplette Bataillon (das aus vier solchen Bases besteht, also 24 Miniaturen) nähert sich der Vollendung. Ich habe zum ersten mal mit Highlights experimentiert und bin eigentlich ganz zufrieden. Vor allem, da für mich das Ziel "Spielfertige Armee" vor allen künstlerischen Ansprüchen steht.

Damit die historische Schauplatte nicht ausfällt, planen wir derzeit eine Skirmish-Platte mit Muskets & Tomahawks. 20-25 Figuren in 15mm pro Seite sind machbar, die Platte wird maximal 1 Meter mal 1 Meter groß. Für die Figuren werden wir uns wohl bei Peter Pig bedienen. Als Szenario werden wir den Boyd and Parker Ambush vom 13 September 1779 umsetzen. Die Figuren werden demnächst bestellt und wir stehen auch schon im Programm für den Spielzug. Das muss jetzt also klappen.

Soweit die Übersicht. Ich werde in Zukunft hoffentlich öfter von mir hören lassen.

Montag, 8. August 2011

Spielbericht: PDQ# auf dem FeenCon


Ich schulde dem Jörg ja noch ein Diary. Da die eigentliche Runde aber schon ewig her ist (Hannoverspielt! im April) habe ich einerseits nicht mehr alle Details parat, andererseits fiel es mir bei meinen bisherigen Ansätzen schwer, die Runde zu beschreiben. Also hebe ich mir meine Rückmeldung für eine ruhige Minute unter vier Augen auf und besänftige Jörg einfach mit einem anderen Diary. Das ist zumindest der Plan.

Da kommt es gerade recht, dass Jörg und ich uns in Bonn auf dem FeenCon Ende Juli getroffen haben. Nicht nur ihn, sondern auch diverse andere nette Leute, die ich zu selten sehe. Zwischen meinen Verpflichtungen als Uhrwerk-Supporter und dem Socializing hatte ich eine ruhige Minute, in der Jörg mir und Jan, einem anderen Bekannten, eine Runde PDQ# anbot. Natürlich war ich kurzerhand bereit. Swashbuckles of the 7 Skies steht seit Jahr und Tag in meinem Regal, ohne das ich es jemals getestet hätte. Und Mantel-und-Degen ist nun mal eins meiner Lieblingsgenres.

Also wurde kurzerhand eine Runde ausgeschrieben, als Hintergrund Théah (die Welt von 7th Sea) festgelegt und ein Tisch belegt. Es stießen zwei weitere Mitspieler zu uns und die Charaktererschaffung ging los. Die beiden neuen Mitspieler waren anfangs etwas von PDQ überfordert. Aber Jörgs hat den Prozess sehr souverän geführt, so das wir nach etwa 20 Minuten die Charaktere beisammen hatten.

Da die Runde recht kurz werden würde (spätestens um 19 Uhr wollte mein Fahrer zurück gen Hannover aufbrechen), gab Jörg ein paar Details vor. Jeder Charakter sollte eine offene Rechnung mit einer Madame Z haben. Außerdem musste jeder Charakter die Stärke „Pirat“ wählen.

Die Charaktere waren:
Marie la Pernesse, eine Adlige, der Madame Z den Verlobten ausgespannt hatte
Msr. Grenoble, ein Hochstapler
Giuliano, ein Schurke mit vielen Gesichtern
Fernand-Etienne de Toureille, ein Musketier, der unehrenhaft entlassen worden war (mein Charakter)

Jörg ließ uns direkt einsteigen. Wir hatten erfahren, dass Madame Z heiraten wollte. Nicht nur das, auch noch den es sollte auch noch Maries ehemaliger Verlobter sein, den die hinterhältige Schlange ihr vorm Altar fortgestohlen hatte.

Diese Hochzeit galt es zu verhindern! Also gingen wir in einer geschützten Bucht von Bord unseres Piratenschiffs und machten uns auf zum Anwesen der Madame. Dort angekommen sahen wir, dass die Vorbereitungen in vollem Gange waren. Msr. Grenoble und Giuliano mischten sich unter die Diener. Für Marie und Fernand war das keine Option. Also griff Fernand sich kurzerhand die Dame, warf sie über die Schulter und erkletterte die Rosenhecke zum Schlafgemach der Madame Z.

Bis hierhin hatten wir schon ordentlich Fahrt in die Verteilung der Style Dice bekommen. PDQ# Sharp gibt einen festen Pool an Bonuswürfeln vor, den SL und Spieler untereinander für tolle Aktionen und Sprüche verteilen können. Dafür gibt das Regelwerk ein zum Genre passendes Codewort vor („Good form!“ oder „Indeed, good form!“), das wir für diese Runde in „Bravo!“ änderten, weil Jörg“Gute Form!“ nicht gefiel.

Der Style Dice-Fluss sollte übrigens immer weiter in Fahrt kommen. Jan und ich drehten vom ersten Moment an voll auf. Die Spielerin von Marie fand schnell in den Mantel-und-Degen-Geist, und auch der Spieler von Msr. Grenoble war bald vollkommen bei der Sache.

Fernand und Marie kamen auf dem Balkon der Madame an, von wo aus sie ihre Feindin mit einer blonden Schönheit belauschen konnten. „Heute Abend heirate ich und morgen stirbt dein Sohn“, das waren die Worte der Intrigantin. Unbemerkt von Marie und Fernand lauschten an der Zimmertür auch ihre Kameraden. Bevor aber jemand handeln konnte, öffnete Fernand die Balkontür. Mit der Frage „Wollen wir darauf wetten?“ folgte er ganz seiner Spielernatur, die seine große Schwäche war.

Ab hier überschlugen sich die Ereignisse. Die Zimmertür flog auf und Msr. Grenoble warf eine unbezahlbare Vase nach Madame Z. Marie zückte ihre Messer und griff die Dame ebenfalls an. Sie konnte nur eine kleine Wunde schlagen, bevor die Madame ihrerseits in die Offensive ging. Nachdem sie Wachen gerufen hatte, ging sie verbal Marie an: „Vielleicht wäre dein Verlobter bei dir geblieben, wenn du dich im Bett mehr angestrengt hättest.“ Das saß, Marie war vollkommen Sprachlos.

Hier zeigte sich, dass der soziale Konflikt in PDQ# ebenso wirkungsvoll ist, wie der physische Kampf. Der Angriff, den Jörg gegen Marie ausführte, setzte den Charakter nahezu außer Gefecht. Ein schöner Touch, da in Swashbuckling-Filmen das Geplänkel zwischen Helden und Bösewichten dazu gehört. Da der Mechanismus genauso funktioniert wie der „normale“ Kampf, kommt es auch zu keinen Brüchen im Spielfluß.

Während der Rest der Gruppe sich mit Madame Z beschäftigte, ging Fernand auf die blonde Dame zu. „Ihr kennt mich nicht, Mademoiselle, aber darf ich euch anbieten, euren Sohn zu retten?“ Die junge Dame schmolz dahin und erzählte, ihr Sohn werde in der Feste Charousse festgehalten. Einen leidenschaftlichen Kuss später standen die Wachen bereits vor der Tür.

Zeit für die Flucht. Während Giuliano und Msr. Grenoble in einen Brunnen utner dem Fenster sprangen, nachdem sie die Waren unter einem Wandteppich vergraben hatten, griff Fernand sich die immer noch reglose Marie, um mit ihr in den Armen ebenfalls im Brunnen zu landen.

An dieser Stelle hatte ich eine Menge Style Dice gesammelt, über zehn müssen es gewesen sein. Inzwischen legte ich es darauf an, irgend etwas zu würfeln, um die Bonuswürfel zu nutzen. Immerhin ist die Gesamtzahl der Style Dice begrenzt und langsam wurde es mit dem Vorrat eng. Aber Jörg ließ mich einfach nicht würfeln! Einerseits ein schöner Zug, stilvolle und genregerechte Aktionen einfach durchzuwinken. Andererseits geriet dabei der Ressourcenfluss in Gefahr. Aber das ist der einzige Kritikpunkt an der Runde, also sei's drum.

Als nächstes stand der Ritt zur Feste Charousse an. Kurzerhand wurden Pferde in der nahegelegenen Poststation gestohlen und nach einem harten Ritt erreichten wir die Festung im Morgengrauen. Jörg legte fest, dass meine Familie einen Geheimgang in die Burg kannte. Allerdings kaufte sich Msr. Grenobles Spieler mit seinen Style Dice einen bekannten in der Burgwache, der uns ohne Problem einließ. Wir eilten in das Gefängnis, das luxuriös ausgestattet in einem der Türme lag.

Der Junge wurde befreit. Nachdem Marie in beruhigt hatte, musste Fernand ihn aus der Burg tragen. Immerhin hatte er den anderen die Befreiung eingebrockt. Doch bevor die Gruppe durch den Geheimgang fliehen konnte, wollte Giuliano Beweise gegen Madame Z stehlen. Das große Buch mit der Gefangenenliste sollte uns helfen, unsere Feindin zu diskreditieren.

Außerdem wollten wir an dieser Stelle den finalen Kampf provozieren. Also gab sich Msr. Grenoble als General aus, der die Truppen in der Verwaltung ablenkte. Vollkommen auf Ärger aus, ging Fernand mit dem Jungen im Arm hinter den stramm stehenden Soldaten her zum Schreibtisch, um das Buch zu nehmen. Allerdings waren die Würfe aller beteiligten und deren Einsatz von Fähigkeiten und Bonuswürfeln zu gut, dass auch diese Aktion gelang. Unbemerkt flohen wir aus der Feste.

An dieser Stelle war der Slot auch vorbei. Wir hatten auch ohne einen Kampf viel Action und noch mehr grandiose Heldentaten erlebt, weswegen niemand das letzte Gefecht vermisste. Jörg hat in zweieinhalb Stunden (inklusiver der Charaktererschaffung) eine schöne Situation geschaffen, mit der wir klasse spielen konnten. Eine Mischung aus einem genresicheren SL und begeisterten Spielern reichte aus, um PDQ# in voller Fahrt erleben zu können.

Als Fazit kann ich nur sagen, dass die Runde mein Highlight auf dem FeenCon war. Mein Dank dafür gilt meinen Mitspielern, die grandios zusammen gearbeitet haben, um die Runde mit Leben zu füllen, und dem SL für die spontane Runde, die dennoch souverän und routiniert geleitet war.

Da ich Jörg aber kenne, weiß ich, dass Kritik ihm wichtig ist: Ich kann wirklich nur den Punkt mit dem Style Dice-Fluss wiederholen. Wenn die Fanmail-Ressourcen begrenzt sind, möchte ich sie auch wieder ins Spiel bringen können. Ich habe nicht dagegen, wenn passende Aktionen „durchgewunken“ werden, im Gegenteil schätze ich das eigentlich. Aber so blieb mir nur übrig, Fanmail für jede Kleinigkeit zu geben. Das ist zwar im Sinne des Spiels, hatte aber zur Folge, dass ich nahezu keine Bonuswürfel für meinen Charakter nutzen musste. Das fand ich etwas schade, auch wenn es das Spielerlebnis nicht wirklich beeinträchtigt hat.

Wenn nach dem Bericht jemand auf PDQ# neugierig geworden ist: Hier der Link zur Homepage des Systems. Im Tanelorn haben sich mehrere Personen zusammen gesetzt, um eine vom Autor abgesegnete Fanübersetzung zu schaffen, die frei erhältlich ist. Der Link zur deutschen Version der Regeln findet sich hier.

Mittwoch, 27. April 2011

Spielbericht: Field of Glory

Nach langer Zeit war heute mal wieder etwas Wargaming angesagt. Seitdem ich sie in meine Vitrine verfrachtet habe, kommen meine Flames of War-Truppen eigentlich nicht mehr auf den Spieltisch. Andere Wargaming-Projekte flackern immer mal wieder auf, kommen aber nicht so recht voran. Might and Reason scheitert derzeit zum Beispiel daran, dass ich noch keine passende Herangehensweise zum Bemalen meiner Franzosen gefunden habe. Und im Herzen bin ich eben doch zuerst Rollenspieler.

Irgendwie kommt die Lust am Wargamen immer wieder auf, wenn ich mit Christian, einem Freund und langjährigen Mitspieler, spreche. So auch letztens, und da wir heute Nachmittag beide Zeit hatten, war der Spieltermin schnell gefunden. Außerdem konnte ich die Gelegenheit nicht verpassen, mir die Spielräume des 3TH (Tabletopt-Treff Hannover) anzusehen.

Spielfertige Armeen sind allerdings so ein Problem. Ich habe zwei fertige Kompanien für FoW und Figuren in unterschiedlichen Bemalstadien für Might and Reason sowie Field of Glory. Da Christian auch FoW nur unter schwerem Proxy-Einsatz hätte stemmen können, war das Motto eher „Spielen um des Spielens willen, Optik egal“. Deswegen gibt es auch keine Fotos vom Spiel. Beschriftete Holzbases sind nicht sonderlich sehenswert.

Also haben wir uns an Field of Glory gewagt. Mit dem Regelwerk setzen wir uns seit seinem Erscheinen auseinander. In der ersten Version decken die Regeln Gefechte vor der Einführung des Schießpulvers ab (oder der Nutzung desselben in Massen – Kanonen und Hakenbüchsen gibt es in bestimmten Armeen schon). Dabei werden Armeelisten eines Zeitraums und Kulturkreises immer in einem Armeebuch zusammen gefasst. „Oath of Fealty“ bildet das Hochmittelalter ab, „Storm of Arrows“ das Spätmittelater, „Legions Triumphant“ das kaiserliche Rom. Ihr versteht das Prinzip.

Entgegen der Empfehlung der Autoren haben wir Listen aus zwei verschiedenen Armeebüchern gewählt, nämlich „Oath of Fealty“ und „Storm of Arrows“. Eigentlich sind die Armeelisten so ausbalanciert, dass man innerhalb einer Epoche die beste Spielbalance hat. Für die von uns gespielten Armeen fiel das aber nicht groß ins Gewicht. Römer gegen Ritter wäre aber wohl problematisch gewesen.

So führte Christian Imperial Germans nach Oath of Fealty ins Feld, während ich Continental English nach Storm of Arrows anführte. Jede Liste enthält eine Starter Army, eine Art „Startaufstellung“, die wir der Einfachheit halber nutzten.

Die Aufstellungen:

Christians Imperial Germans:
1x Field Commander
2x Troop Commander
1x Ministeriale
1x Ritter & Sergeanten
1x Berittene Armbrustschützen
1x Brabanzonische Speerträger
2x Feudale Speerträger
1x Armbrustschützen
1x Leichte Bogenschützen

Meine Continental English:
1x Inspired Commander
2x Troop Commander
3x Abgesessene Ritter
4x Langbogenschützen (2x 8 Bases, 2x 6 Bases)

Ja, die Kriegsführung der Engländer im Hundertjährigen Krieg war auf dem Kontinent recht berechenbar...

Christian hatte ein wenig Spielerfahrung mit der Renaissance-Variante von FoG und coachte mich durch das Spiel. Meine letzte Lektüre der Regeln dürfte über zweieinhalb Jahre her sein und FoG ist schon recht komplex. Vieles wird aber im Spiel schnell klar, wenn man die Mechanismen erst mal erfasst. Das rede ich mir zumindest ein. Ich brauch noch etwas Übung, bis ich mit den Regeln firm bin.

Aber zu den Ereignissen auf dem Tisch. Die Startphase ergab als Gelände zwei Kornfelder in Christians Spielhälfte, zentral in seiner Aufstellungszone. Ein großer Weinberg, den ich auf meiner Flanke platzieren wollte, um meine Linie zu verkürzen, wurde durch einen guten Würfelwurf meines Mitspielers wieder vom Feld verbannt. Also standen sich die beiden Armeen auf freiem Feld gegenüber.

Das stellte mich mit meinen langsamen Fußtruppen vor ein Problem. Ich musste meine Flanken vor der gegnerischen Kavallerie schützen und gleichzeitig mit zahlenmäßig unterlegenen Kräften mein Zentrum halten.

Deswegen orientierte ich meine Aufstellung an der Heinrichs V. bei Azincourt. Das Zentrum wurde von meinem Inspired Commander und einer Gruppe Ritter gehalten, die an beiden Seiten von Langbogenschützen unterstützt wurden. Jede Flanke wurde von einer weiteren Gruppe Ritter und einer Gruppe Schützen gehalten, jeweils von einem der Troop Commander befehligt.

Allerdings beging ich direkt in der Aufstellung einen Fehler. Zwischen der linken Flanke und dem Zentrum klaffte eine recht breite Lücke, die geradezu eine Einladung für die gegnerischen Ritter sein musste. Das wirkte sich aber letztlich auf meinen Erfolg aus, aber dazu später mehr.

Die ersten Runden waren ereignislos. Truppen bewegen sich bei FoG recht langsam, außerdem bestanden meine ersten Runden darin, etwas vorwärts zu marschieren, um danach meine Langbogenschützen hinter angespitzten Pfählen zu verschanzen. Dabei hingen meine Flanken etwas hinter dem Zentrum zurück, um Flankenmanöver der Kaiserlichen abfangen zu können.

So marschierten die Deutschen entschlossen auf die Engländer zu. Die linke Flanke wurde von Ministerialen und Bogenschützen bedroht, die rechte Flanke von berittenen Armbrustschützen und Rittern. Im Zentrum rückten Speerträger und Armbrustschützen vor.

In Runde drei gingen die deutschen Ministerialen in Stellung, um an meiner Linken vorbei auf das Zentrum vorzustoßen. Meine Einzige Möglichkeit, eine Katastrophe abzuwenden, bestand darin, meine Stellung am linken Flügel aufzugeben. Ritter und Bogenschützen näherten sich den Ministerialen. Die Ritter versuchten, den direkten Weg auf mein Zentrum zu versperren, die Bogenschützen begannen damit, die Ministerialen zu umgehen. Eine erste Salve vernichtete ein Base der leichten Bogenschützen und brachte die Einheit in Unordnung.

Christian war überrascht, dass ich meine vorteilhafte Verteidigungsposition aufgegeben hatte, hielt aber an seinem Plan fest. Die Bogenschützen gingen im Rücken der Ministerialen in Position, letztere änderten ihre Position leicht, um nicht überrannt zu werden. Der Rest der Armee rückte weiter auf die englische Linie zu, während Pfeile ergebnislos den Himmel verdunkelten.

Leider hatte Christian sich etwas mit seiner neuen Position geirrt. In meiner Runde stürmten die Ritter und Langbogenschützen auf die Ministerialen ein. Die Ritter stürmten auf die Front ein, während die Schützen den Gegner in der Flanke erwischten. Nach der Impact Phase (in der Sturmangriffe ausgeführt und erste Kampfergebnisse bestimmt werden) waren die Ministerialen gebrochen und flohen vom Feld. Meine Flankentruppen verfolgten sie, was mich tiefer in die Flanke der deutschen brachte.

In den nächsten Runden manövrierten die leichten Bogenschützen etwas zurück, immer bedrängt von meinen Truppen, während die Brabanzonen ihnen zu Hilfe eilten. Im Zentrum und auf der rechten Flanke bahnte sich der große Zusammenstoß beider Armeen an.

Die berittenen Armbrustschützen ritten vor den Rittern her auf die Engländer zu, um die abgesessenen Ritter auf der Flanke zu beschießen. Auch hier blieb der Beschuss ohne Ergebnis, nur die englischen Ritter im Zentrum wurden durch die Armbrustschützen zerrüttet.

Allerdings hatten die berittenen Schützen sich zwischen beide Linien manövriert, so das ihnen nur der Angriff auf die Ritter blieb. Sie stürmten in die Reihen der Engländer, die dem Angriff allerdings stand hielten und ein Base der Angreifer vernichteten. In der folgenden Schussphase wurde eine Einheit deutscher Speerträger zerrüttet, bevor die Nahkampfphase den Angriff der berittenen Armbrustschützen beendete. Ohnehin geschwächt brach die Moral der Truppe.

Die Schützen ritten auf ihrer Flucht durch ihre eigenen Ritter und die zweite Einheit Speerträger, was auch die restlichen deutschen Nahkampfeinheiten zerrüttete. Das war für mich ein Glücksfall, denn meine verfolgenden Ritter stürmten direkt in die Ritter und Speerträger der Deutschen. In meiner Runde blieb mir nichts anderes übrig, als ihnen zu Hilfe zu eilen.

Da die deutschen Reiter entweder flohen oder in Nahkämpfen gebunden waren, war es an der Zeit, die spitzen Pfähle spitze Pfähle sein zu lassen. Auf breiter Front gingen die Engländer zum Sturm über. Die Brabanzonen hatten sich bei ihrem Vormarsch verschätzt und gerieten in die Zange zwischen den Rittern auf der linken Flanke und einer Bogenschützengruppe aus dem englischen Zentrum.

Die Ausgangssituation sah für mich sehr gut aus. Die schwerste Infanterie des Gegners in der Flanke gepackt, alle gegnerischen Einheiten in den Nahkämpfen waren bereits angeschlagen (d.h. sie hatten Zusammenhalt bzw. Cohesion verloren – zu viel davon und die Einheit bricht und läuft davon). Meine Einheiten waren, bis auf die Ritter im Zentrum, frisch und hatten keine negativen Auswirkungen aus den Kämpfen davon getragen.

Leider beendete ein Telefonanruf, der Christian zum sofortigen Aufbruch nötigte, das Spiel. Allerdings waren Christian und ich uns beim Abbau einig, dass ein Sieg der Engländer sehr wahrscheinlich gewesen wäre. Die Brabanzonen wären mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen den zwei angreifenden Einheiten aufgerieben worden. In den anderen Kämpfen hatten die Engländer klar die Oberhand.

Insgesamt war das Spiel, trotz des vorzeitigen Abbruchs, aber unterhaltsam und spaßig. Am Anfang schien es noch statisch zu werden, da meine abwartende Haltung und die lange andauernden Manöver sich etwas zogen. Aber die Aktivität auf der linken Flanke und der Druck, der dadurch auf den restlichen deutschen Truppen lastete, machten das Spiel am Ende richtig spannend.

Wir mussten noch einiges Nachschlagen, aber wenn man dann eingelesen ist, bringt Field of Glory viel Potential mit.

Oh, und die offizielle Nacherzählung dieser Schlacht beinhaltet natürlich meinen brillianten Plan, die gegnerische Kavallerie mittels eines vermeintlichen "Aufstellungsfehlers" in eine Falle zu locken.

Samstag, 5. Februar 2011

Zeig her dein Regal

Arkanil sammelt auf seinem Blog Bilder von Rollenspielerregalen. Eine gute Idee, wie ich finde, ich bin ja neugierig, was der ein oder andere Rollenspieler in seiner Sammlung stehen hat. Leider konzentriert er sich nur auf DSA-Sammlungen.

Damit kann ich nicht dienen. Es stehen zwar ein paar DSA3-Boxen in meinem Regal, aber die würden alleine etwas verloren wirken. Außerdem finde ich es gerade interessant, welche Mischungen in Rollenspielerregalen zu finden sind. Daran kann man ja Werdegänge, Vorlieben, Entwicklungen und unter Umständen auch den ein oder anderen Fehlgriff ablesen.

Nun kann ich kaum dazu aufrufen, Bilder von euren Regalen zu posten oder anderweitig zu zeigen, ohne den Anfang zu machen. Also ist hier der Blick in mein Rollenspiel-Regal:


Leider durch den Blitz etwas mitgenommen, ich mache morgen bei Tageslicht nochmal ein neues. Aber ds ist es. 18 Jahre Rollenspiel in einer Aufnahme. In all den Jahren habe ich mich von kaum etwas getrennt, nur Vampire: The Dark Ages, RoleMaster und Shadowrun 4 mussten anderen Neuerwerbungen Platz machen.

Und jetzt bin ich gespannt: Wie sieht es bei euch aus? Ich freue mich über jeden Bilderlink oder Blogpost. falls jemand sein Regal teilen will, aber keine Möglichkeit hat, sein Bild hochzuladen, sammle ich gerne Bilder in einer separaten Picasa-Galerie. Einfach eine kurze Mail an orga [bei] vexin [punkt] de, dann lade ich es hoch. Einfach dazu schreiben, unter welchem Namen oder Pseudonym es in die Galerie soll.