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Donnerstag, 29. August 2019

Fresh Players, Fresh Perspectives

Recently I was messages on Spielerverzeichnis.org, a German site dedicated to finding new people to game with. Sadly, my area of northern Germany is not too well represented there, and this may be why I got the message. It was by a guy who said he and and a few friends never had played any RPGs but were eager to give it a try.

Now, you all know how it is. You get older and all of a sudden you are no longer master over your schedule. The wife and the kid need attention, as do a million other things. So I talked to my wife,m got the go ahead, and messaged back that I'd be happy to help. Sadly, I could not offer them a long commitment, but I would meet and talk with them, and then maybe GM a few sessions for them.

Our first meeting was last Wednesday in a local bar. I was surprised to learn that all of them did not know each other before then, as they all had met online, too. So it was a true "blind date" situation – four guys at a table with nothing in common but being RPG enthusiasts. And I had a great evening. We talked about what they'd like to play, about RPGs in general, and a million different things beside. At the end of the night, I promised to GM a couple sessions for them, we talked about some games I could offer to run, and made a date to meet again next Wednesday.

We exchanged cell phone numbers and texted throughout the week. A fourth player couldn't make it to the meeting in the bar and she was available for next week's session, too. So we talked about what games to play. One of the guys was completely into the idea of roleplaying and had read some games. The others only had a slight idea what was in store for them. All had heard a variety of snacks was required.

And they brought lots of these. My table hadn't been so filled with chocolate and cookies in a long time. A good start, indeed. One of they guys was ill, so we started discussing games between the four of us present. I had prepared a selection of games I could run without great preparation: Star Wars Edge of the Empire, 7th Sea, Urban Shadows, Danger Zone. My favorite to try was Mud, Blood & Glory by Black Hat Games which I'd just read and was eager to give it a shot.

We chose Mud, Blood & Glory, as character creation is short and we would be able to start playing in about an hour's time. I started to explain the character sheet. Here I stumbled for the first time. When no one a t the table has ever seen a character sheet, how do you explain it without all the terms and concepts that are familiar to you? My newbies challenged me to rethink my preconceptions at every turn. And it was fun all the way.

We started playing after having made characters. Jerry Burch, Lucie Williams, and Jim Novack were ready to make it as outlwas in the West. I had them start in the middle of things, robbing a stagecoach. They had a little time to plan before the coach came into sight. Their plan was sound and worked, they overwhelmed the armed guard and the driver. One of the passengers resisted and a small shoot out followed. Lucie and Jim were wounded, the passenger and the armed guard were shot. The characters got away with a strongbox full of money and some other loot. But they also found the dead passenger to be a Pinkerton detective.

Well, they made their getaway, spend time in the wilderness, rode into a town to visit the saloon and buy supplies, before returning home to their families, for which they'd stolen the money. Eastern carpetbaggers were encroaching on their homes, and their plan was to pay the debts pressing their loved ones down. We had some roleplaying along the way and everyone had a blast. The game will continue in two weeks, hopefully with all players present.

My conclusion so far: I love playing with new players! Their enthusiasm, their fresh take on scenes and adventures us "old dogs" have seen a hundred times, it was fun to be part of that. Of course, they had questions and at some times, the game did not run as smoothly as with experienced players. But that's to be expected and it didn't happen all too often. I'm looking forward to our next session, and if time wasn't an issue, I's happily GM for them for a longer campaign. Let's see about that. For now, I'm glad to have helped a few new players on their way.

Montag, 29. Dezember 2014

[Spielbericht] Space Adventures: Episode I

Ich möchte das (rollenspielerische) Jahr mit einem Bericht über eine grandiose Spielrunde abschließen. Lange war ich nach dem Spiel nicht mehr so geflasht wie gestern. Umso besser, dass diese Begeisterung zum Jahresende kommt. Hoffentlich reicht sie bis ins neue Jahr, so das ich ebenso motiviert weiter machen kann.

Aber zur Runde selbst. Gespielt wurde Danger Zone. Wer im Tanelorn aktiv ist, hat davon vielleicht schon einmal gehört. DZ ist das neue System von Frank„Lord Verminaard“ Tarcikowski, der bereits BARBAREN! geschrieben hat. Unter dem Namen Space Adventures sollte ein Space-Opera-Rollenspiel für Erzählspieler entstehen. Inzwischen heißt es Danger Zone und ist ein settingunabhängiges Action-System.

Ich durfte während der Entstehung zwei oder drei unterschiedliche Version Anspielen. Eine Minikampgane unter anderem beim Autoren selbst. Und seit dem ersten Testspiel bin ich großer Fan dieses Kleinods, das sich der Vollendung nähert und hoffentlich bald für die Allgemeinheit zugänglich sein wird.

Werbung Ende. Da ich netterweise die aktuelle Version von Danger Zone erhalten habe, habe ich es spontan für einen nachweihnachtlichen One Shot verwendet. Mit dem Titel...



Space Adventures – Einst herrschte die Sternenkaiserin von Enor mit Hilfe der Mondpriesterinnen über das bekannte Universum. Doch als das Kaiserreich zerbrach, begann der Niedergang der verschiedenen Völker.

Dann kamen die T'Kaer. Vor wenigen Jahren unterwarfen diese echsenartigen Krieger den bekannten Raum, den sie seither mit blanker Gewalt beherrschen. Im verborgenen hoffen die wenigen Widerstandskämpfer darauf, dass die sieben Kronregalien der Kaiserin wieder vereint werden und eine Nachfahrin der letzten Sternenkaiserin gefunden werden kann.

Damit Enor wieder aufersteht, und mit ihm die Freiheit!

Der Charakterbau dauert nach Danger Zone nur ein paar Minuten, mit Erklären haben wir etwa 10-15 Minuten benötigt. Die fertigen Charaktere waren:

Sir George of Westbury – Menschlicher Adliger. Dandy, hat seinen Dienst in der Raummarine abgeleistet, seitdem treibt er sich herum und verprasst sein Geld. Bestimmung: Erster Ritter der Sternenkaiserin von Enor zu werden.

Captain Nathan Hawke – Menschlicher Pirat. Vom Typ her Gentleman-Pirat, der sich bereits einen Ruf als berüchtigter Verbrecher erarbeitet hat. Bestimmung: Der Berühmteste Held im ganzen Sektor zu werden.

Cuthbert Collins-Sotoko – Menschlicher Abenteurer/Entdecker. Etwas abgerissen, erkundet das Universum, hat mystische Fähigkeiten. Bestimmung: Die Kronregalien von Enor wieder zu finden.

Zum Start gab ich den Spielern ein paar NSCs vor, aus denen sie alte Bekannte auswählen sollten. Nachdem wir noch einige Vernetzzungen besprochen hatten – unter anderem, dass die Charaktere sich seit ihrer Kindheit kannten - konnte es auch schon losgehen.

Der letzte Flug der Star of Canterby


An Bord des zivilien Liners Star of Canterby hatten sich die Charaktere zufällig wieder getroffen, während sie zusammen auf dem Weg ins Davenport-System waren. George und Cuthbert hatten Gerüchte gehört, dass die ihnen bekannte Abenteurerin Lady Jenny Solvington eine Expedition ausrüstete, um die Krone der Sternenkaiserin zu suchen. Cuthbert hoffte auf eine lukrative Anstellung, George wollte seiner alten Rivalin ihr Geheimnis abluchsen. Nathan dagegen war von General Donnalson, einem Widerstandskämpfer, für den er Waffen besorgt hatte, gebeten worden, diesen Gerüchten auf den Grund zu gehen.

An Bord des Liners befand sich auch eine merkwürdige Gruppe aus enorischen Dienerinnen, die jeden Tag hochklassiges Essen aus der Messe abholte und in eine Luxussuite brachten. Neugierig folgte die Gruppe ihnen. Vor einer bewachten hielten die Dienerinnen an, während die Wachen das Essen untersuchten. Unter der silbernen Warmhalteglocke kam ein Hamburger mit Pommes zum Vorschein. War hier mächtiger Teenager unterwegs, fragte sich George.

Doch bevor man das ergründen konnte, wurde das Schiff gewaltsam aus dem Hyperraum gerissen. Durch die Glasfront der Nobelquartiere war ein T'Kaer-Kriegsschiff zu sehen, das nun das Feuer eröffnete. Während die Star of Canterby unter dem Beschuss erbebte, flogen Angriffshuttles auf die Hangars zu.

Aus der Suite kam eine Gruppe Enorianer gerannt. Fünf Dienerinnen in priesterartigen Roben, drei Leibwächter und eine Vierzehnjährige im schlabbrigen Jogginganzug. Das Mädchen wurde von einer menschlichen Frau begleitet, die Cuthber erkannte – Es war seine Schwester, Kimari Sotoko, die schon länger als Kindermädchen für reiche Familien arbeitete.

Cuthbert machte sie auf sich aufmerksam. Gemeinsam wollten beide Gruppen versuchen, die Rettungsshuttles zu erreichen, als schon die ersten T'Kaer-Marines aus den Hangars stürmten. Der Trupp aus zehn Mann war aber kein Hindernis für unsere Helden. Für ein paar markige Sprüche und einen gefallenen Kronleuchter war noch genug Zeit. Sie enterten eines der Angriffshuttles und flohen vom Schiff.

Nathan hatte das angreifende Kriegsschiff erkannt. Es war das Flaggschiff von General Altarch Ssotk, der ihn bereits früher gejagt hatte. Er sandte eine kurze Holonachricht an den General, dass es ihm wieder einmal geglückt war, aus dessen Fängen zu entkommen. Als Antwort schossen Abfängjäger aus den Hangars des T'Kaer-Schiffs, denen Nathan nur mit waghalsigen Manövern entkommen konnte. Cuthbert kalibrierte kurzerhand die Bordkanone um, so das sie nun einen EMP-Impuls abfeuerte. Mittels dieses Impulses schaltete Sir George die Energieabschirmung des Jäger-Hangers auf dem Kriegsschiff aus, so das keine weiteren Jäger mehr starten konnten.

To Save a Lady


Auf Davenport angekommen verbarg sich die Gruppe in den zerstörten Industriegebieten. Die T'Kaer hatten bei der Eroberung die meiste Industrie zerstört, weswegen das gesamte Gebiet eine zerstörte Geisterstadt war. Mit einer Droschke machte man sich auf den Weg.

(Wir hatten uns einen Turn-of-the-Century-Adel für die Menschen überlegt, deswegen schien Droschke ein guter Weg zu sein. Im gemeinsamen Brainstorming wurde daraus eine von einem stählernen Hoverpferd gezogene, zweirädrige Kutsche...)

In der Zwischenzeit hatte sich das enorische Mädchen sehr abfällig über ihre Retter geäußert und alle beschimpft, die nicht sofort taten, was sie wollte. Schließlich rückte Kimari mit der Sprache heraus: Das Mädchen war Asparia Dirian, die letzte lebende Nachfahrin der letzten Sternenkaiserin. Sie waren mit dem Mädchen ebenfalls auf dem Weg zu Lady Solvington.

Also fuhr man zum Anwesen der Lady. Dises war allerdings schwer von den T'Kaer bewacht, die scheinbar auch von den Gerüchten um Lady Solvingtons Aktivitäten gehört hatten. Sir George und Cuthbert konnten durch ihre Überredungskunst, bzw. telepathischen Kräfte, aufs Anwesen gelangen, Nathan kletterte über die Mauer.

Natürlich wurde er prompt erwischt. Während er die Patrouille bekämpfte, fiel der erste Schicksalswurf des Abends - quasi ein kritischer Treffer, für den ein sechsseitiger Würfel drei Mal in Folge die 6 zeigen muss. Als Effekt kam den Helden zugute, dass just in diesem Augenblick der Widerstand versuchte, die Lady zu befreien. Durch diese Ablenkung gelang es, unbemerkt in das Schlafzimmer von Lady Jenny vorzudringen.

Nach einem kurzen Gespräch und einigem Misstrauen führte die Lady die Gruppe in einen geheimen Keller, in dem ihre Ausrüstung lagerte, inklusive ihres Gleiters. Auf der Flucht durch den Wald konnte man eine Staffel Jagdflieger sehen, die einen Angriff auf den Widerstand flogen. Einer der Jäger entdeckte das fliehende Fahrzeug und nahm es unter Beschuss. Es gelang, den Flieger abzuschießen – nicht zuletzt, weil Captain Hawke den abgerissenen Spiegel des Gleiters in einen Laserstrahl warf, der daraufhin in die Turbine des Jägers reflektiert wurde!

Canterby -  Juwel der Menschheit


Mithilfe der Widerstands-Kontakte von Lady Jenny Solvington erreicht die Gruppe Canterby, den Sitz des Königs der Menschheit. Ungewöhnlich starke Militärpräsenz der T'Kaer zeigt, dass hier nicht alles in Ordnung ist. Aber furchtlos versucht man, die Kathedrale zu erreichen, unter der Lady Jenny die Krone vermutet. Allerdings werden die Helden von Überwachungsdrohnen identifiziert. Auf der Flucht vor menschlichen Polizisten und T'Kaer-Sturmtruppen gerät die Gruppe in eine Unterführung, an deren anderem Ende sie bereits weitere T'Kaer erwarten.

Während Nathan, Cuthbert und Sir George den Kampf aufnehmen, flüchtet die Prinzessin mit den anderen Enorianern und der Lady durch einen Wartungsschacht. Nicht, das das nötig gewesen wäre: Innerhalb kürzester Zeit sind die Angreifer besiegt. Als Wort zur Regelanwendung, es waren 26 Gegner der Klasse Kanonenfutter, die in ca. 5 Kampfrunden und weniger als 10 Minuten als Bühne für heldenhafteste Action dienten.

Sie George greift sich den letzten Soldaten, sagt „Sag Ssotk, dass wir uns an ihm rächen werden!“, und schlägt ihn nieder. Beim Versuch, die eigenen Spuren zu verwischen, würfelt der Spieler von Nathan einen Schicksalswurf – übrigens mindestens den fünften in dieser Szene allein. Ich kenne mich mit Wahrscheinlichkeiten nicht aus, aber das war gefühlt ungewöhnlich. Dadurch entdeckt die Gruppe, dass die Wartungstunnel mit den Katakomben unter der Kathedrale verbunden sind.

Das passte mir als Spielleiter gut in den Kram. Die Zeit wurde langsam knapp und ich fragte, ob ich das Abenteuer zu einem befriedigenden Ende bringen sollte, oder ob wir wann anders weiter spielen wollten. Kommentar eines Mitspielers: „Ich bin bereits vollkommen befriedigt, so wie wir gerockt haben.“ Trotzdem einigten wir uns darauf, dass ich den Showdown vorziehe.

"It's a Trap!"


Auf dem Weg durch die Katakombe lauerten einige fallen, die jedoch dank Cuthberts mystischer Kraft „Erspüren“ entdeckt und umgangen werden konnten. Bis auf den riesigen Höhlenwurm, der Nathan zu schaffen machte, bis er schließlich in die Flucht geschlagen werden konnte. Schließlich erreichten die Helden ein großes Gewölbe, in dessen Mitte auf einem Altar die goldene Mondkrone von Enor lag.

Doch das ganze entpuppte sich als Falle! General Ssotk und eine Kompanie aus 40 T'Kaer-Sturmtruppen hatte die Gruppe verfolgt. Während der General sie noch verhöhnte, gingen die Helden zum Angriff über. Cuthbert konnte die Krone ergattern und warf sie Lady Jenny zu, die daraufhin mit Prinzessin Asparia und ihren Leibwächtern verschwand.

Vor dem Altar hatte eine der enorischen Dienerinnen, Dinai Lani, sich in ein Duell mit Ssotk verwickelt. Scheinbar war sie eine Art Priesterin, und der General versuchte sie mit einiger Entschlossenheit zu töten. Um Dinai zu retten, sprang Captain Nathan Hawke vor sie und beschwor das Zweikampfritual der T'Kaer.

Während alles dem Zweikampf folgte, versuchten Cuthbert und Sir George, das Gewölbe zum Einsturz zu bringen. Cuthbert hatte einen Schlussstein bemerkt, dessen fehlen zu einem Kollaps führen würde. Schließlich gelang es Cuthbert, einen Schuss so geschickt an diversen Metalloberflächen abprallen zu lassen – ich weiß nicht, was mit der Häufigkeit der Schicksalswürfe los war – dass er den Stein zerstörte. Als das Gewölbe zusammenbrach, flohen die Helden wild um sich schießend, während Ssotk ihnen noch wildere Verwünschungen hinterher brüllte.

Die Krone und die junge Prinzessin waren vorerst in Sicherheit. Eine neue Hoffnung für die unterdrückten Völker, dass ihre Knechtschaft bald enden könnte.

Fazit


Als Fazit waren wir alle sehr begeistert von der Runde. Wir hatten spontan die Idee, eine monatlich laufenden Kampagne mit dem Setting zu bespielen und sind bereits in der Terminfindung begriffen. Episode II lässt also hoffentlich nicht zu lange auf sich warten´.

Danger Zone hat mich einmal mehr vollkommen überzeugt. Für pulpige Action, in der die Charaktere richtig rocken sollen, kenne ich nur wenige Systeme, die so gut funktionieren. Kämpfe zwischen Personen, Raumschiffen und Fahrzeuge greifen nahtlos ineinander, ohne den Spielfluss zu stören.

Wir hatten drei „große“ Kämpfe, die jeweils in überschaubarer Zeit abgehandelt waren. Der Kampf gegen die 10 T'Kaer-Marines auf dem Liner hat etwa 5 Minuten Spielzeit gedauert, obwohl ich nebenbei die Regeln erklärt habe. 26 Gegner in der Fußgängerunterführung wurden in etwas mehr als 10 Minuten abgehandelt, und 40 Mooks plus General Ssotk im „Endkampf“ waren in etwas unter 20 Minuten erledigt. Das sind gute Schnitte. Nebenbei durfte jeder Charakter glänzen, coole Sprüche kloppen und sich seiner Bestimmung nähern.

Ich warte ungeduldig darauf, dass Danger Zone fertig ist und gedruckt vor mir liegt. Sobald es verfügbar ist, kann ich es jedem uneingeschränkt empfehlen, der auf pulpige Action und Larger-Than-Life-Helden steht.

Der Abspann


T'Kaer mit schwerem Grabungsgerät versuchen, Überlebende aus den Gewölben unter der Kathedrale von Canterby zu retten. Nachdem ein schwerer Felsbrocken beiseite geräumt ist, dreht sich einer der Arbeiter um. „Ein Medic, schnell. Der General!“

Großaufnahme auf das Gesicht von General Ssotk, gezeichnet von Staub und Blut. Die Kamera zoomt heran, bis das Bild nur noch die geschlossenen Augen zeigt. Mit einem bedrohlichen Paukendröhnen springen seine Augen auf. Die kalten Echsenaugen funkeln in die Kamera.

Ende.

Space Adventures: Episode II – Im Zeichen der Mondgöttin

Demnächst an diesem Spieltisch!

Freitag, 6. Juni 2014

Werkzeugkästen

Ich erlaube mir eine kleine Einführung, bevor ich zum eigentlichen Thema komme. Wen meine Meinung zu Internetdiskussionen nicht interessiert, liest am Besten ab der Überschrift Der Werkzeugkasten weiter.

Ich mag es nicht, im Internet über Grundsatzfragen meiner Hobbys zu diskutieren. Das habe ich vor Jahren lange und Ausgiebig zum Thema Larp getan, später in abgeschwächter Form zum Pen&Paper-Rollenspiel. Das waren aber noch Zeiten, in denen ich den Luxus hatte die Frage „Vorlesung oder dieser mir unbekannten Person erklären, warum ihr Kostüm doof ist“ nicht mit Vorlesung beantwortet zu können...

Das heißt nicht, dass ich nicht gerne über Rollenspiele diskutiere. Rollenspieltheorie, Regeldesign, Hintergründe oder ganz simpel Vorlieben und Abneigungen, darüber kann ich mir den Kopf heiß reden. Aber im Netz, mit Leuten, die ich meistens nicht mal kenne und bei denen ich nicht weiß, ob sie nur provozieren wollen? Den Ärger muss ich nicht haben und dazu fehlt mir auch das Sendungsbewusstsein.*

Trotzdem lese ich solche Diskussionen, sofern deren Inhalte mich interessieren, mit. Allein, um auf dem Laufenden zu bleiben. Und dabei stößt mir immer wieder eine Eigen-, oder vielmehr Unart, der Forendiskussionen auf. Viele von „uns“ (womit ich in diesem konkreten Falle die forenaffinen Vielspieler und Sammler meine, die überhaupt erst auf diesen Blog finden) neigen dazu, ein neues Produkt nach Maßstäben zu bewerten wie „Da fehlt mir aber XY“, „XY ist doch nicht mehr modern“ oder „Was macht X denn anders als Y“, die meist vollkommen subjektiv auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Mal ganz ab vom unsäglichen „Das ist doch kein Rollenspiel mehr“, das einfach nur auf eine pure, ungefilterte Arroganz gegenüber Menschen mit anderen Vorlieben zum Ausdruck bringt.

Der Werkzeugkasten

Ich finde, prinzipiell braucht Rollenspiel keine Regeln. Das hat als Kind doch prima geklappt, wenn man von Streitereien, wer jetzt der „Bestimmer“ sei, absieht. Auch heute können wir ohne weiteres eine spannende Handlung spielen, ohne einen Charakterbogen oder dicke Regelbücher auf dem Tisch.

Das wir es so nicht machen, hat verschiedene Gründe. Manche Spielarten brauchen Regeln, z.B. wenn es ein kompetitives Element gibt. Andere Regeln dienen dazu, die Fiktion in eine bestimmte Richtung zu lenken. Und für viele bieten die Regeln einfach nur den kleinsten gemeinsamen Nenner im gemeinsamen Vorstellungsraum.

Ein Regelsystem ist für mich ein Werkzeug, um eine bestimmte Art Spiel zu spielen. Am offensichtlichsten ist es, wenn man bei groben Genres bleibt: Will ich Fantasy oder Science Fiction? Out of the Box kann ich mit den meisten Regelsystemen nicht beides spielen (Homebrews und Hacks lasse ich hier bewusst außen vor, es geht mir um die Kritik an Neuveröffentlichungen).

Hier kommt die Werkzeuganalogie ins Spiel: Wenn ich einen Nagel in die Wand schlagen will, nehme ich den Hammer, nicht den Schraubendreher. Ich greife zu dem Werkzeug, das ich brauche. Vielleicht kann ich mit dem Griff des Schraubendrehers den Nagel in die wand Hämmern, aber das wird umständlich. Besonders, wenn der Hammer schon in der Box liegt. Also greife ich SciFi-Regelwerk, wenn ich Raumschlachten will, der Fantasy-Wälzer bleibt im Regal.

Regeln sind Werkzeuge. Sie wurden (idealerweise) designed, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Und daran sollten wir immer denken, wenn wir über Spiele reden, die uns auf den ersten Blick nicht ansprechen. Das Spiel wurde einfach nur für etwas konzipiert, das nicht unseren Bedürfnissen entspricht.

Und das ist gut so! Aus Sammlersicht finde ich es auch schade, wenn mich ein hübsch aufgemachtes Buch inhaltlich nicht anspricht. Aber ich kaufe ja auch keinen Akkuschrauber mit 1000-teiligem Zubehörset, wenn ich eigentlich nur einen Kreuzschlitz brauche.

Handwerker...

Darüber hinaus neigen wir (dran denken: Forenaffin, Vielspieler, Sammler) dazu, uns zur zentralen Zielgruppe neuer Produkte zu erklären. Sicherlich, der Sammleraspekt ist für die Verlage immer interessant. Der neugierige Sammler, der Geld ausgibt, um sich das neue System einfach mal anzusehen, ist ein dankbarer Kunde.

Aber sonst? „X hätte besser funktioniert, wenn man Y aus Spiel Z übernommen hätte.“ Das kann doch nicht Sinn der Sache sein.

Zurück zur Analogie. Ich habe einen Schraubendreher, mit dem ich meine Regale ganz toll an die Wände schrauben konnte. Jetzt bringt eine andere Firma einen Schraubendreher auf den Markt, der für eine andere Schraubengröße gedacht ist. Ist das neue Modell unbrauchbar, nur weil ich damit meine Regale nicht an die Wand bekomme? Wohl kaum. Er bedient nur nicht mein Bedürfnis, uhnd daraus kann ich keinen Vorwurf konstruieren.

In den Foren passiert das aber sehr gerne. Da wird danach gefragt, ob ein neues Spiel dieses oder jenes könne. Und wenn das nicht der Fall ist, dann kann das Spiel nichts taugen. Denn es bedient ja die persönlichen Bedürfnisse nicht.

Noch besser finde ich gar „Och, noch ein Fantasy-System? Da habe ich doch schon drölfzig von, warum sollte ich das spielen?“

Ehrlich? Sollst du nicht. Wenn ich mir eine Spielbeschreibung durchlese, bin ich meistens recht schnell sicher, ob es etwas für mich ist oder nicht. Beispiel Splittermond, ein Spiel, dem ich allen erdenklichen Erfolg wünsche. Aber es spricht mich auf keiner Ebene an. Selbst mein recht ausgeprägter Sammelreflex springt da nicht an. Nicht für mich, fertig.

Warum sich jetzt Leute in Foren Grabenkämpfe liefern, weil der Verlag nicht genau ihre Kombination an Vorlieben bedient, ist mir ein Rätsel.

...und Laien

Dann gibt es noch die Spieler, die keine Foren lesen (übrigens meistens weil die Leute da so intolerant und besserwisserisch sind), keine Blogs und die neben ihrer wöchentlichen Spielrunde nicht darauf aus sind, die neusten Erscheinungen auf dem Markt zu beobachten.

In deren Werkzeugkasten liegt vielleicht die Grundausstattung: Hammer, Säge, Schraubendreher, Teppichmesser. Übersetzt auf den deutschen Markt hieße das wohl, dass sie DSA, Shadowrun, Call of Cthulhu und D&D/Pathfinder kennen.

Jetzt entwickelt einer dieser Spieler ein neues Bedürfnis, das er mit dem vorhandenen Werkzeug nicht decken kann. Für diesen Spieler kann jedes neue System abseits des Bekannten eine Offenbarung sein. Da stellt sich einfach nicht die Frage, was System X besser gemacht hat, oder warum Y und Z so viel besser designed sind. Ohne Überblick und Spielerfahrung ist das kein Kriterium.

Da greift dann die Betriebsblindheit der Foristen. In forum A geht Spiel X gerade ab wie Schmidts Katze. Das muss doch jeder kennen! Das aber außerhalb des eigenen Forenhabitats kaum einer über das Spiel redet, wird selten wahrgenommen. Das ist übrigens auch für mich eine recht neue Erkenntnis, für die ich einige Begegnungen mit Nicht-Foristen gebraucht habe.

Kurz: Kaum jemand braucht drei Akkuschrauber. Aber wenn man überhaupt keinen hat, kann auch ein Modell mit wenigen Extras vollkommen ausreichen.



* Schrieb der Blogger. Ich bin mir der Diskrepanz, die hier in Wort und Tat besteht, durchaus bewusst.

Freitag, 14. März 2014

[GxB] Das Liebesleben japanischer Teenager

Ich bin ja grundsätzlich sehr zufrieden mit meinem rollenspielerischen Umfeld. Es gibt kaum ein Spiel, für das ich keine Mitspieler zum Ausprobieren finde. Falls doch mal ein Spiel dabei ist, dass abgelehnt wird (oder bei dem ich gar nicht erst fragen brauche – ich kenne ja meine Pappenheimer), gibt es immer noch die Tanelorn-Treffen. Und inzwischen kenne ich auch einen Kreis indie-interessierter Dramafreunde auf der Drachenzwinge.

Mit Teilen der Besetzung, mit der ich bereits zwei großartige Monsterhearts-Runden spielen konnte, haben wir vor kurzem GxB – Girl x Boy von Atarashi Games ausprobiert. Eigentlich wollten wir die Blood of Misty Harbor-Kampagne zu Ende spielen, aber der SL konnte nicht. Also wurde kurzerhand ein weiterer Freiwilliger gefunden und nach einigem hin und her und einer Terminverschiebung war es dann so weit.

Damit das hier kein reiner Spielbericht wird, beginne ich mal mit einer kurzen Zusammenfassung bzw. Rezension von GxB:

Das Spiel ist einer japanischen Dating Sim nachempfunden. Momoko ist neu an der Atarashi High School (dem generischen Setting für alle Anime-Spiele von Atarashi Games) und hat beschlossen, das es an der Zeit ist, sich zu verlieben. Für dieses Unterfangen kommen drei Mitschüler in Frage. Der Bad Boy Ichigo, der Streber Takemichi und die Jahrgangssprecherin Risa.

Also geht Momoko auf drei Dates. Während jedes Dates dürfen die beteiligten Spieler nur in Charakter reden oder die Handlungen ihrer Charaktere beschreiben. Die anderen beiden Spieler fungieren als Spielleiter für die jeweilige Szene und sind dafür verantwortlich, das allerlei peinliches Geschieht. Immer dann, wenn ihr Date etwas romantisches, nettes, lustiges oder sonst wie bemerkenswertes tut, vergibt die Spielerin von Momoko eine Spielkarte. Derjenige Charakter, der am Ende die meisten Herzkarten erhalten hat, ist Momokos Auserwählte(r).
Der Umschlag von GxB lässt keine Fragen offen

Das ist im Prinzip auch schon das ganze Spiel. Die Regeln kommen als voll farbiges Softcover daher, im Format 26x14cm. Die Seiten sind wie ein Schulblock aufgemacht, die Illustrationen sind allesamt charmante Manga-Zeichnungen. Mit nur 24 Seiten ist das Heft etwas dünn, aber bei einem Preis von 9,95€ (beim Sphärenmeister) finde ich das in Ordnung. Das Pdf kann man bei DrivethroughRPG teilweise günstiger bekommen.

Pluspunkte sind die Charakterkarten am Ende des Buchs, die es auch als Download auf der Herstellerseite gibt, sowie die Zusammenfassung der Regeln in Comicform – übrigens ein Feature aller Atarashi-Anime-Spiele.

Aber genug der Vorrede, wie ist es im Spiel gelaufen?

Nach einer kurzen Erklärung wurden die Rollen verteilt. Momoko wurde von Nocturama übernommen, Risa von Narrenspiel, Ichigo von Harekrishnaharerama und Takemichi von mir. Das Spiel lief über den Teamspeak-Server der Drachenzwinge, für den Spielkarten-Mechanismus haben wir Roll20 verwendet.

Momoko entschloss sich als erster, Takemichi auf ein Date einzuladen. Die Spielerin von Momoko entscheidet immer, ob sie selbst einlädt, oder eingeladen wird. In diesem Fall fragte sie Takemichi nach der Schule, ob er sie nach Hause begleiten wolle. Nach der Einladung legt die Begleitung drei Aktivitäten für das Date fest. Takemichi lud Momoko ein, ihn zur Hausaufgabenhilfe zu begleiten, die er nach der Schule geben musste. Danach könnten sie in einer Bäckerei vor der Schule etwas essen, bevor er sie nach Hause begleiten würde.

Sobald es los ging, legten Narrenspiel und Hare auch gleich mit den Komplikationen los. Der Schläger Kato saß in der Hausaufgabenhilfe und machte Ärger, und eine Lehrerin erzählte Takemichi von einer tollen Gelegenheit, den Mathewettbewerb zu gewinnen, wenn er länger bliebe um zu üben. Nebenbei war Zeit für viel „teenage awkwardness“ und hochrote Köpfe. Das wurde auch nicht besser, als die beiden die Bäckerei erreichten, in der Takemichis Mutter mit einer Nachbarin und deren Tochter Kaori saß. Scheinbar sollte Takemichi mit Kaori verkuppelt werden, der ließ diese aber stehen, um Momoko zu begleiten. Auf dem Rückweg – im strömenden Regen – rettete Takemichi noch eine Katze und lief mit Momoko vor Kato und seiner Gang weg.

Am Ende des Dates geben die beiden „Spielleiter“ Momoko zwei Handlungsoptionen: Eine ist ein Bisschen peinlich, bringt die beiden Datenden sich aber näher, die zweite ist abweisend. Je nachdem, was Momoko auswählt, gibt es Zusatzkarten oder es werden Karten abgezogen. Momokos Optionen nach dem ersten Date waren einerseits den durchnässten Takemichi vor ihrer Haustür stehen zu lassen, andererseits ihm ihre Jacke mitzugeben. Momoko entschied sich für letzteres, was drei zusätzliche Karten für Takemichi brachte. Mit 8 Herzen legte Takemichi einen großen Vorsprung vor.

Date zwei fand mit Risa statt. Die Jahrgangssprecherin fragte Momoko, ob sie mit ihr zum Kirschblütenfestival gehen wolle – unter dem Vorwand, das sie dort eine Menge ihrer Mitschüler kennen lernen könne. Auf dem Festival stießen die beiden aber auf die Freundinnen von Risa, zu denen auch Kaori gehörte. Die war immer noch sauer wegen des Zwischenfalls mit Takemichi und wollte Risa dazu bewegen, Momoko allein zurück zu lassen. Risa setzte sich aber für Momoko ein und so machten die beiden sich daran, den Tag zu genießen. Ein Zwischenfall beim Kleider anprobieren – neues Kleid plus Eiskugeln vertragen sich nicht – ging es zur nächsten Aktivität.

Risa sollte mit ihrer Band beim Festival auftreten. Aber es gab Probleme mit Make Up und Kleidung, die Momoko lösen könnte. Als dann auch noch die Technik streikte, legte Risa eine Unplugged-Spontannummer für Momoko hin. Als die beiden endlich beim abendlichen Feuerwerk beieinander saßen, waren Momokos Optionen sich von Risa umarmen zu lassen und sich an sie zu schmiegen, oder aber vor dem physischen Annäherungsversuch zurück zu schrecken. Auch hier entschied sich Momoko für die positive Option. Allerdings konnte Risa trotz vieler verdienter Karten nur vier Herzen verbuchen.

Auf ging es zu Date Nummer Drei. Ichigo lud Momoko zum Volleyball spielen nach der Schule ein. Die übrigen Aktivitäten waren dem Bad-Boy-Image angemessen: Nacht unter Momokos Fenster auftauchen und heimlich Schwimmen zu gehen. Aber zuerst stand Volleyball auf dem Programm, und natürlich gehörte Kaori zu den Mitspielerinnen. Diese ließ sich darüber aus, das sie am letzten Wochenende so viel Spaß mit Ichigo gehabt habe und konnte sich wiederum einige schnippische Bemerkungen über Momoko nicht verkneifen. Als Ichigo sie abblitzen ließ, schmetterte sie Momoko den Ball an den Kopf. Beim Versuch, Momoko zu beschützen, landete Ichigo dann prompt auf der am Boden liegenden Mitschülerin...

Schnitt in die Nacht. Momoko steht peinlich berührt im Nachthemd am Fenster, lässt sich von Ichigo aber überreden, mit zum Schwimmen zu fahren. Während die beiden mit dem Moped unterwegs waren, trafen sie auf Ichigos Freunde, die einige anzügliche Bemerkungen fallen ließen, die Momoko sehr zusetzten. Ein Anruf von Kaori, die Ichigo zu sich nach Hause einlud, und ein sich ankündigendes Gewitter erschwerten die Situation weiter. Die Szene am Badesee war dann einerseits so herrlich peinlich, wie es nur Teenie-Liebesgeschichten sein können, andererseits aber so witzig, das ich lachend am PC saß. Als die beiden Schüler schließlich im strömenden Regen vor Momokos Haus standen, waren ihre Optionen Ichigo in ihrem Zimmer übernachten zu lassen, oder ihn nach Hause zu schicken. Und auch hier entschied sich Momoko für die positive Variante, was Ichigo auf insgesamt fünf Herzkarten brachte.

In der Szene am Badesee hatten wir übrigens eine interessante Entwicklung. Während die Dates mit Risa und Takemichi sehr „vanilla“ waren, schwang hier schon unterschwellig das Thema Sex mit. Wohl dadurch bedingt war ein Vorschlag für Momokos Handlungsoptionen am Dateende, das sie und Ichigo miteinander schlafen würden. Darüber mussten wir ein wenig diskutieren, da das einerseits nicht so recht zu Nocturamas Darstellung von Momoko passte, andererseits die lockere Grundstimmung radikal verändert hätte. Aber dank der Mitspieler, die alle an einem Strang zogen, war das schnell zu unserer aller Zufriedenheit geklärt.

Blieb nur noch die Szene, in der Momoko ihrer wahren Liebe genau diese gestand. Mit acht Herzen war Takemichi der klare Sieger, obwohl sein Date eigentlich nur aus einer Aneinanderreihung diverser Debakel bestand. Nach der Schule überreichte eine nervöse Momoko Takemichi einen selbstgezeichneten Manga, in dem sie ihm ihre Liebe gestand. Jetzt hat der Spieler den Regeln nach die Möglichkeit, Momoko abzuweisen, aber das passte einfach nicht zur Stimmung. Also zeichnete Takemichi in das letzte Panel, das noch frei war, ein Bild von den beiden, wie sie Händchen hielten. Und gemeinsam verließ das frischgebackene Paar die Schule...

Mein Fazit: GxB ist thematisch sicher sehr speziell. Die Spieler müssen genau das wollen, was das Spiel vorgibt. Eine Grundstimmung, die light hearted und komisch daher kommt, mit ein paar peinlichen Momenten und ein wenig Romantik angereichert. Die Regeln bieten keine Regeln, um diese Stimmung zu forcieren, sondern nur den Rahmen für die Handlung. Wenn die Spieler dann nicht auf der gleichen Wellenlänge sind, kann das Spiel sicherlich auch entgleisen.

In dieser Runde war das nicht der Fall und ich bedanke mich bei meinen Mitspielern für einen Abend mit viel Gelächter und Teenie-Drama. Das Spiel ist eindeutig für Fans von Animes wie Princess Princess, Ah! My Goddess oder TokyoMarble Chocolate gemacht. Wenn ihr zur Zielgruppe gehört, lohnt sich ein Blick auf jeden Fall.

Donnerstag, 30. Januar 2014

Magische Gegenstände zum Anfassen

Zugegeben, es wird etwas weniger spektakulär, als es der Titel vermuten lässt. Aber haben wir am Spieltisch nicht alle ab und zu etwas haptisches gern? Fatepunkte und Bennies zum Anfassen uns Austeilen, oder auch Miniaturen, gehören an vielen Tischen zum Spiel.

Als kleine Spielerei habe ich vor einigen Wochen für unsere Dragon Age-Kampagne eine Artefakt-Karte für einen magischen Gegenstand gebastelt. Da der Gegenstand eine Wirkung hatte, die nicht ganz auf der "lichten" Seite lag, sollten die Spieler die Karte herumreichen können. So wäre jederzeit klar, wer im Besitz des Gegenstands ist. Also habe ich mir den Magic Set Editor mal näher angeschaut und losgebastelt. Das Ergebnis seht ihr rechts.

Der Arbeitsaufwand ist minimal. Verschiedene Kartenlayouts kann man einfach per Mausklick auswählen. Eine kurze Googlesuche, um ein passendes Bild zu finden, und den Text eingeben. Dann muss man die Karte nur noch ausdrucken, laminieren und ausschneiden. Fertig ist das Artefakt zum Anfassen!

Dann meinte ein Mitspieler, man könnte auch die verschiedenen Zauber in dieser Form aufbereiten. Die Idee hatte ich auch schon, denn auch mit mittlerweile drei Regelbüchern am Tisch kommt es immer wieder zu Blätterei, wie genau einzelne Zauber nun funktionieren. Ursprünglich wollte ich mit Word eine Vorlage für etwa karteikartengroße Zauberkarten erstellen. Über die Magickarten-Variante hatte ich noch gar nicht nachgedacht.

Also haben wir uns gemeinsam hingesetzt und herum probiert. Wir haben den fünf Magieschulen Kartenfarben zugeteilt (Primal-Blau, Spirit-Weiß, Entropy-Schwarz, Creation-Grün, Blood-Rot) und rechts oben, wo normalerweise bei Magickarten die Manakosten stehen, stehen die Spruchkosten in Magiepunkten. Die Zauberbeschreibungen in die Textfelder zu formatieren war etwas krampfig. Bei längeren Zaubern hat die Lesbarkeit etwas gelitten, bei einem Zauber (Levitate) steht nur ein Verweis auf die passende Seite im Buch - die Zauberbeschreibung war einfach viel zu lang. Unten auf jeder Karte steht noch ein Verwis, in welchem Buch und auf welcher Seite der Zauber beschrieben wurde. Als Grafiken habe ich hauptsächlich Screenshots aus den Dragon Age-PC-Spielen benutzt. Das hat insgesamt etwas länger gedauert, immerhin gibt es in den ersten beiden Sets von Dragon Age 56 Zauber.

Der Magic Set Editor kann ein erstelltes Kartenset als Jpegs umwandeln oder eine Druckvorlage erstellen. Ich habe die Druckvorlage mit Pdf95 in eine Pdf-Datei umgewandelt, die ich im Copyshop ausdrucken lassen habe. Der Farbdruck auf 100g-Papier kann sich sehen lassen.

Für die Haltbarkeit wurden die Bögen laminiert, dann wurden die einzelnen Karten ausgeschnitten. Das habe ich zu Hause gemacht, ein billiges Laminiergerät habe ich vor einiger Zeit mal bei Kaufhof erstanden. Beste Rollenspielanschaffung überhaupt, nebenbei bemerkt. Laminierte Referenzbögen kann man ewig benutzen, ohne ständig neue ausdrucken zu müssen. Aber ich schweife ab.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich präsentiere die Dragon Age-Zauberkarten. Zwei Sets für die beiden Magier-Spieler, zwei Sets für mich als Spielleiter - so kann ich auf Cons auch mal Karten an Spieler rausgeben.

Eine handvoll fertiger Zauberkarten


Montag, 25. November 2013

[Fiasco Monday] Toil & Trouble

Mit einer Woche Verspätung startet der Fiasco Monday dann doch noch. Letzte Woche hatte mich eine Mischung aus NaNoWriMo, einem Lindy Hop-Workshop am Wochenende und ganz einfach das „echte Leben“ dermaßen im Griff, das ich es einfach nicht geschafft habe, rechtzeitig fertig zu werden. Und da es nicht Fiasco Tuesday heißt, habe ich mir einfach eine Woche Zeit gegönnt, um es „richtig“ zu machen.

Anfang November habe ich ein paar Freunde in Dresden besucht. Nach einem anstrengenden Tag in der Altstadt und dem Residenzschloss kam die Frage nach einer Abendbeschäftigung auf. Da meine beiden Gastgeber, Gesa und Malte, kürzlich den Sprung vom Liverollenspiel zum Pen&Paper gewagt haben, und ihr derzeitiger Mitbewohner Josa seine DSA-Bände da hatte, stand Rollenspiel hoch im Kurs. Da mich mit DSA allerdings eher so etwas wie eine Hassliebe verbindet, war ich wenig begeistert und schlug im Gegenzug Fiasco vor – immerhin bekommt nahezu alles zum Spielen wichtige im Internet, und sobald man das Spiel ein oder zwei Mal gespielt hat, braucht man das Buch nicht mehr zwingend.

Die anderen drei waren von meiner enthusiastischen Beschreibung des Spiels wohl angetan und wollten es gerne mal ausprobieren. Also ab auf die Fiasco-Homepage und Playsets gesichtet. Nachdem wir ein paar in der engeren Auswahl hatten, entscheiden wir uns für Toil&Trouble, das inoffizielle Harry-Potter-Playset.

Nachdem alles nötige ausgedruckt und das Spiel erklärt war, ging es ans Setup. Wir wollten alle im gleichen Haus sein und entschieden uns für Slytherin. Nachdem die Würfel geworfen und verteilt waren, ergab sich folgendes Setup:

Das Setup


Norbert und Josephine waren die Vertrauensschüler des Hauses. Norbert hatte Josephine versprochen, ihr einen Liebestrank zu besorgen, damit sie sich an einem Lehrer Rächen konnte, der ihr eine schlechte Note verpasst hatte.

Josephine und Stella waren Schwester, die um die Gunst ihres Vaters, der auch Schulleiter war, wetteiferten. Josephine hatte dabei als gute Schülerin die Nase vorn, weswegen sich Stella den dunklen Künsten zugewandt hatte.

Zusammen mit Sagittaria versuchte Stella, mächtige dunkle Magie zu lernen. Beide wollten dadurch einfach nur reich und angesehen werden. Koste es, was es wolle.

Sagittaria und Norbert hatten ein eher schwieriges Verhältnis. Norbert hatte sowieso immer auf Sagittaria rumgehackt. Nachdem er aber mitbekommen hatte, das sie sich an ihm rächen wollte, verabreichte er ihr den Liebestrank, der eigentlich für Josephine sein sollte.

Und damit waren wir auch schon mittendrin in unserem eigenen, kleinen Fiasco. Norbert und Josephine stritten um den Liebestrank, wobei Norbert mehr Zeit haben wollte, um einen neuen Trank zu besorgen. Stella fand heraus, das ihre Schwester irgendeinen Deal mit Norbert hatte und war etwas verwirrt, als Sagittaria die ganze Zeit von Norbert schwärmte, statt mit ihr dunkle Zauber zu lernen. Sagittaria schließlich, unter dem Einfluss des Liebestranks, fragte Norbert, ob er mit ihr zum Winterball gehen wolle und blitzte böse ab.

Die ersten vier Szenen hatten schön den Ton für die nächste Runde angegeben. Im zweiten Durchgang wollte Norbert von Stella einen Liebestrank erwerben, denn sie war eine gute Schülerin in Zaubertränke. Dabei fand Stella heraus, dass der Trank für Josephine bestimmt war. Josephine wollte inzwischen Norbert bei ihrem Vater anschwärzen, der ihr aber nicht glaubte. Stella jubelte Norbert einen falschen Liebestrank unter, damit er keinen Unsinn mit ihrer Schwester anstellen konnte. Und Sagittaria holte das alte Zauberbuch von Tante Bellatrix hervor, um den Imperius-Fluch zu lernen, damit Norbert mit ihr zum Ball ginge.

Damit war der erste Akt auch schon beendet. Wir machten eine kurze Pause, um über das geschehene und die Richtung der Ereignisse zu sprechen, dann würfelten wir den Tilt aus. Die ausgesuchten Ergebnisse lauteten:
A stupid plan, executed to perfection
Love rears its ugly head

Beides passte prima, und wir stürzten uns in Akt 2, um unsere Charaktere grandios scheitern zu lassen.

Norbert übergab den falschen Liebestrank an Josephine, die ihn nichtsahnend annahm. Sie brachte sich auch gleich in Schwierigkeiten, als sie versuchte, den Trank dem verhassten Lehrer einzuflößen. Stela hatte inzwischen rausgefunden, was für ein Spiel Norbert mit ihrer Freundin Sagittaria spielte und stellte ihn zur Rede. Nur lief das ganz und gar nicht wie geplant, Norbert erpresste sie, um sie als Date mit auf den Ball zu nehmen. Kurz danach erwischte Sagittaria Norbert allein in der Umkleide nach dem Qudditch-Training und wirkte erfolgreich den Imperius-Fluch.

Die letzten vier Szenen standen an und wir einigten uns, das der Winterball für den Showdown am besten geeignet wäre. Insbesondere, da wir bei der Besprechung des Tilts festgelegt hatten, das Stella und Norbert wirklich Gefühle füreinander hatten, und die Dreiecksgeschichte versprach einen Knall zum Schluss.

So kam Norbert mit Sagittaria auf den Ball, was insbesondere Stella verstimmte. Natürlich kam es zum Eklat, in dessen Verlauf Norbert von Josephine mit einem Finite Incantatum vom Imperius.Fluch befreit wurde. Stella und Norbert hatten einen kleinen Augenblick, in dem sie beinahe zueinander gefunden hätten. Aber Sagittaria, immer noch unter der Wirkung des Liebestranks und schwer verletzt, richtete ihren Zauberstab auf ihre große Liebe. „Wenn ich dich nicht haben kann, dann kann dich keine haben! Crucio!“

Das war das Ende des zweiten Akts und ein schöner Abschluss für die Runde an sich. Die Aftermaths waren für alle Charaktere durchwachsen. Im Abspann wurden die weiteren Fehlschläge in den Leben der Charaktere beleuchtet, was insbesondere für Sagittaria und Stella einen Abstecher nach Azkaban bedeutete.

Das Fazit der Runde: Unglaublich toll. Die Runde erreicht einen hart umkämpften zweiten Platz in meiner Liste der besten Fiascos. Das Harry-Potter-Thema hat gut gepasst und dafür gesorgt, das es nicht ganz so düster wurde, wie es hätte werden können. Meine drei Mitspieler haben klasse gespielt und an einem Strick gezogen, obwohl alle drei Neulinge sowohl beim Fiasco-Spielen, als auch bei Indie-Spielen an sich waren. Wir hatten ein paar Schwierigkeiten am Anfang, was aber hauptsächlich dazu geführt hat, das Szenen öfter von anderen geframed wurde, statt vom aktiven Spieler selbst geframed zu werden.

Trotz der sehr guten Erfahrung mit Fiasco-Anfängern muss ich aber auch hier immer wieder betonen: Das Spiel funktioniert nur, wenn sich alle darauf einlassen und Spaß an der gemeinsamen Erzählung haben. Das war hier eindeutig gegeben und deswegen gibt es jetzt drei neue Fiasco-Fans. Besser geht es nicht.

Montag, 11. November 2013

Montag ist Fiasco Monday

Als ich letztes Jahr den Eintrag Meine 10 für die Insel schrieb, habe ich eine vollmundige Behauptung über Fiasco aufgestellt:

Ich habe noch nie eine schlechte Runde Fiasco gespielt. Einige meiner absoluten Runden-Highlights waren Fiasco-Runden, und da ist noch viel Luft für mehr.

Da ich einerseits immer noch voll hinter dieser Aussage stehe, andererseits auf meinem Blog schon viel zu lange nichts los war, erkläre ich Montag ab sofort zum Fiasco Monday!

Das heißt, das ich die kommenden Montage über Spielberichte über die bisher von mir gespielten Fiasco-Runden gefüllt werden. Vielleicht bekommt dabei der eine oder andere Lust darauf, das Spiel selbst einmal zu spielen. Vor allem, da es mittlerweile in deutscher Übersetzung von Pro Indie vorliegt.

Für diejenigen unter euch, die mit dem Namen Fiasco überhaupt nichts anfangen können:

Die Spielberichte werden etwas ungenauer werden, je länger sie zurück liegen. Deswegen geht es nächste Woche mit dem Bericht einer Runde vom vergangenen Wochenende los: Toil & Trouble

Dann also bis nächsten Montag. Hoffentlich wird es kein Fiasco!

Samstag, 13. Juli 2013

[Monsterhearts] The Blood of Misty Harbour

Gestern hatte ich die Gelegenheit, über die Drachenzwinge einmal Monsterhearts auszuprobieren. Das Spiel steht schon länger bei mir, ich habe es bisher aber nur mal angelesen. Aber als ausgewiesener Buffy-Connoisseur und Fan jeglichen Teenie-Dramas wollte ich es schon länger spielen.

 Monsterhearts ist ein Spiel, in dem es um (sexy) Monster, Teenagerängste, Horror und komplizierte Beziehungen geht. Harte Entscheidungen, Blut, Sex und Tränen sind die Zutaten, aus denen das Drama um Teenager-Monster entsteht. Das Spiel basiert auf Apocalypse World, das gespielte Szenario war The Blood of Misty Harbour (die Charaktere kann man hier herunterladen).

Herausgekommen ist eine Runde, die ich überschwänglich mit dem Wort „Grandios“ beschreiben möchte. Aber alles der Reihe nach.

Die Rundenausschreibung auf der Drachenzwinge habe ich eher zufällig gesehen. Neben Nocturama, die ich aus dem Tanelorn kenne und mit der ich länger das Buffy-Rollenspiel gespielt habe, waren noch die User Narrenspiel und Harry dabei, wobei letzterer den Spielleiter gab. Die Chemie in dieser Runde stimmte von Anfang an, denn alle zogen an einem Strang, um die Geschichte eskalieren zu lassen. Und trotz allen Dramas gab es auch viel zu lachen.

Als Skins (Charaktere) standen Leena the Mortal, Darius the Witch und Loretta the Queen zur Auswahl. Nocturama übernahm Leena, Narrenspiel wählte Darius, und da ich zuletzt dazu gestoßen war, übernahm ich Loretta. Die wäre aber auch meine erste Wahl gewesen, also passte das.

Die Ausgangssituation sah vor, das Leena und Loretta ein Paar waren, bis Loretta vor sechs Monaten unvermittelt Schluss machte. Jetzt ist Leena mit Darius zusammen, hängt aber immer noch ein bisschen an ihrer Ex. Darius ist als Sohn einer Hexe aufgewachsen, die ihm alles über seine Kräfte beigebracht hat. Leena ist die Tochter des Bürgermeisters, ihre Mutter ist vor etwa zwei Jahren spurlos verschwunden, man geht von einem Verbrechen aus. Loretta hat es zur Anführerin eines Dämonenkultes gebracht, die den Dämon Sören auf die Welt bringen wollen. Ja, der heißt wirklich so, steht so im Szenario. Und ja, es gab diverse Ikea-Witze.

Wir stiegen mit einer Szene in Leena Zuhause ins Spiel ein. Ihr Vater fragte, ob sie mit Darius zusammen wäre. Als Leena das bestätigte, verbot er ihr, sich weiter mit ihm zu treffen, da er nur Ärger bedeutete. Leena versprach, sich daran zu halten, obwohl sie Darius nicht verlieren wollte. Darius Tag begann dagegen damit, seine Mutter dabei zu überraschen, wie sie Teile des ermordeten Postboten verspeiste. Panisch ließ er sie zurück, nachdem sie ihm versprochen hatte, später alles zu erklären.

In der Schule erhielt Loretta eine Nachricht von Mira Waters, Berufsberaterin und Kultmitglied, der Kult müsse sich unbedingt treffen. Bei diesem Treffen erzählte Mira von Visionen, wie der Dämon beschworen werden könne. Dazu müsse in der übernächsten Nacht Leenas Blut vergossen werden. Loretta wies den Kult an, die Vorbereitungen zu treffen, doch Poe, ein Mitschüler, warf ihr vor, sie würde es niemals fertig bringen, ihre Ex zu opfern. Derart herausgefordert, ging Loretta auf Poe los. Der Move Lash Out Physically war angesagt. Da aber nur ein Teilerfolg erreicht wurde, musste ein Nebeneffekt gewählt werden. Ich wählte das Hervortreten von Lorettas Darkest Self – Loretta ließ Poe blutend zurück und eröffnete den anderen, das Fehler weit schlimmere Konsequenzen haben würden.

Beim Geschichtsunterricht trafen alle drei Charaktere das erste Mal aufeinander. Leena und Darius teilten einen kurzen Moment, in dem Darius Leena dazu bewegte, ihm zu helfen, falls der Lehrer es auf ihn abgesehen hätte (mit dem Move Turn Someone On). Loretta kam dazu und fragte Leena, was sie an diesem Waschlappen fände. Leenas Vorwürfe, sie wäre von Loretta schließlich verlassen worden, wischte diese beiseite (Move: Spurn Somebody). Die Ankunft von Mr. Roberts, des Geschichtslehrers, unterbracht diese Situation. Er zitierte die beiden Mädchen für später zu sich und begann, Darius über die Hausaufgaben zu befragen. Dieser behauptete sich gegen den Lehrer (Move: Hold Steady), der nach der Stunde in entsprechend schlechter Laune war, als er Leena und Loretta zurecht wies. Leena wollte ärger vermeiden, aber Loretta provozierte den Lehrer weiter, bis dieser schließlich beschloss, die Eltern der beiden anzurufen. Vor der Klasse kam es noch zu einer kurzen Szene zwischen den Mädchen, in der Loretta der nun vollends verwirrten Leena zärtlich sagte „Wenn du stark genug für mich bist, bin ich hier“. Der Move Turn Someone On war erfolgreich, so das Leena verunsichert zu ihrem Treffen mit Darius ging.

Darius und Leena sprachen über Leenas Vater. Trotz des Verbots wollte Leena Darius weiter sehen. Er schlug vor, zu Leena nach Haus zu kommen, damit ihr Vater ihn kennen lernen könne. Aber Leena war dagegen, da sie ja versprochen hatte, mit Darius Schluss zu machen. Die beiden würden sich also heimlich weiter Treffen.

Als Darius danach in sein Auto stieg, ging die Beifahrertür auf und Loretta setzte sich dazu. Sie wolle mit ihm reden, er solle zum Strand fahren. Leena sah den beiden hinterher, während der Wagen davon zog.

An dieser Stelle fragte Harry Narrenspiel, wie Darius zu Loretta stehe. Sie sagte, Darius habe Respekt vor ihr, denn zusammen wären die beiden in der Lage, großes Unheil anzurichten. Das passte mir gut in meine Karten, ich wollte nämlich Lorettas Sex Move ausprobieren, mit dem sie andere dazu bringen konnte, das zu tun, was sie wollte. Entsprechend nutzte sie während der Fahrt ihre Reize, um Darius zu verführen. Der Turn Someone On-Wurf gelang auch sehr gut, aber Darius' Hold Steady war ebenso gut. Darius ließ Loretta mitten in der Stadt am Straßenrand stehen.

Inzwischen war Leena zu Hause. Auf der Suche nach ihrem Vater ging sie in sein Arbeitszimmer. Er war nicht da, aber auf seinem Tisch fand sie diverse Briefe. Es waren Liebesbriefe an Esme Chime, Darius' Mutter. Während Leena noch darüber nachdachte, ob Darius ihr Bruder sei, kam ihr Vater zurück. Es kam zu einem heftigen Streit, in deren Verlauf Leena handgreiflich wurde. Allerdings beendete ihr Vater den Streit und schlug seine Tochter, die daraufhin aus dem Haus floh.

Die vor Wut kochende Loretta suchte derweil Mira Waters auf. Sie wollte ihre Rache an Darius mit ihrem Plan verbinden, Leena zum Ritual an den Strand zu bekommen. Sie befahl Mira, einen Gruppe Schläger zu Darius zu schicken. Mira verlangte im Gegenzug, dass die Beschwörung nur mit ihrer Zustimmung statt finden solle. Loretta stimmte zu. Da sie Macht abgab, erfüllte sie eine Bedingung, um ihrem Darkest Self zu entkommen.

Gerade rechtzeitig, denn bei ihr zu Hause wartete Leena auf sie. Der Anblick ihrer verletzten Freundin verleitete sie dazu, Darius als Schuldigen anzunehmen. Während Loretta Leena verarztete, nutzte Leena ihren Turn Someon On-Move. Es war ein Teilerfolg, und wir waren uns einig, das „Sich dir hingeben“ passte. Dadurch wurden die Sex Moves der Charaktere getriggert. Leenas Move bewirkte, dass Lorettas Darkest Self wieder zum Vorschein kam. Entsprechend distanziert war Loretta „danach“, und sie bat Leena, am nächsten Abend zum Strand zu kommen, um ein paar ihrer Freunde zu treffen. Durch Lorettas Sex Move stimmte Leena zu.

Darius war inzwischen Zu Hause, wo er und seine Magie benutzt hatte, um in den Abgrund zu schauen (sprich: Den Move Gaze Into The Abyss zu benutzen). Das Ritual hatte ihn vor einem Tor und Blut gewarnt. Aber statt diese Zeichen auf Leena zu beziehen, dachte er, es ginge darum, seine Mutter zu retten. Esme Chime gestand ihrem Sohn, dass sie ein Ghoul war. Sie war also tot, und das seit zwei Jahren. Darius verließ das Haus im Streit, um nach Leena zu suchen. Die hatte sich auf eine SMS hin, mit der er sie vor Loretta warnen wollte, nicht gemeldet. Nachdem er auch bei ihr zu Hause niemanden vorfand, fuhr er zu Loretta. Er ahnte Böses, denn inzwischen hatte ihn Poe mehrfach gewarnt, er und Leena wären in Gefahr.

Vor Lorettas Haustür fand er die beiden Mädchen in inniger Umarmung. Leenas erneut angewandter Turn Someone On war so erfolgreich, dass Loretta trotz ihres Darkest Self im Kuss dahinschmolz. Als Darius dazwischen ging, um Leena vor Loretta zu warnen, ging Loretta auf ihn los – Um ihrerseits Leena zu beschützen, da sie ja annahm, Darius habe sie geschlagen. Dabei verprügelte Loretta Darius ordentlich, während Leena die Flucht ergriff. Als dann noch die Kultisten auftauchten, die nach Darius suchten, befahl Loretta ihnen, Darius mitzunehmen, damit sie ihn im Ritual opfern könnten.

An dieser Stelle waren wir uns einig, dass alle Zeichen auf Showdown standen. Also schnitten wir zum Abend des Rituals. Darius lag gefesselt im Bootshaus, auf dem Steg brannten 15 Kerzen, und alles war für die Beschwörung des Dämons bereit. Als Leena wie versprochen auftauchte, versuchte Loretta, sie loszuwerden. Aber Poe forderte sie auf, endlich zur Sache zu kommen. Angesichts der Situation wurde Leena klar, was Loretta vor hatte. Von Leena angeklagt und von Poe provoziert, griff Loretta sich Poe, zerrte ihn in den Ritualkreis und stach ihm den Dolch ins Herz. Da sie damit einen Unschuldigen tötete, erfüllte sich eine weitere Bedingung, um ihrem Darkest Self zu entkommen. Mit Poes Leblosen Körper in den Armen wurde Loretta klar, was sie gerade tat.

Darius hatte sich inzwischen befreit. Nachdem ein Fluch gegen seine Bewacher nicht geholfen hatte, griff er sie an, wobei sich auch sein Darkest Self manifestierte. Flüche sprechen kam er aus dem Bootshaus, das hinter ihm in Flammen aufging.

Leena stand zwischen den beiden Personen, die ihr am meisten bedeutet hatten, und fühlte sich von allen verraten. Sie nahm den Dolch, den Loretta hatte fallen lassen. Während Darius auf Loretta losging und Loretta immer noch schockiert am Steg stand, öffnete Leena sich die Pulsadern. Während Darius und Loretta schockiert an ihrer Seite waren, brachte sie eine letzte Liebeserklärung hervor.

Dann tropfte ihr Blut in den Ozean, die Welt verfinsterte sich, und der Dämon stieg aus den Tiefen der Hölle herauf. Und ergriff Besitz von Leenas Körper.

An dieser Stelle brachen wir ab, denn es war unserer Meinung nach ein gelungener Schlusspunkt. Das Szenario besteht aus mehreren Folgen und kann weitergespielt werden, unter anderem mit Leena als Geist. Worauf ich große Lust habe, denn ich hatte sehr viel Spaß.

Wie schon gesagt, stimmte die Chemie in der Runde einfach. Wir haben uns die Bälle schön zugespielt, Vorlagen ausgenutzt und Zweideutigkeiten genutzt, um den Konflikt weiter eskalieren zu lassen. Den Plot um Darius' Mutter und Leenas Vater haben wir nicht gebraucht und deswegen auch nur angeschnitten. Es war eben ein One Shot, und da kann (oder muss) man schon mal volles Tempo fahren. Und das haben alle getan.

Abschließend kann ich sagen: Gerne wieder. Sowohl Monsterhearts, das mir sehr gut gefallen hat, als auch mit dieser Gruppe. Danke an meine Mitspieler und besonders an Harry, der es möglich gemacht hat, trotz schwierigen Zeitmanagements zu spielen. 

Übrigens: Zum Spielen haben wir Steffens übersetzte Regelreferenz benutzt. Wie üblich eine gelungene Arbeit, schaut sie euch also mal an.

Dienstag, 21. Mai 2013

Hannover spielt! 20 - Convention Royal

Schon wieder zu lange still hier. Man kommt ja zu nichts... Dabei liegt der geplante Bericht zur Hannover spielt! 20 schon einen Monat ungeschrieben brach. Bevor es noch länger dauert und ich es mal wieder gar nicht mache:

Hannover spielt! 20 am 20. und 21. April 2013. Seit 20 Jahren rockt diese Convention Hannover, und ich war zum nunmehr 20. Mal dabei. Ich verdränge mal Erinnerungen an die erste Hspielt, die ich als Teenager besucht habe, ebenso die Gedanken daran, wie die Zeit vergeht, und konzentriere mich aufs Wesentliche.

Seit ein paar Jahren ist der Austragungsort der Convention die Bürgerschule in der hannöverschen Nordstadt. Das Gebäude an sich ist schön und bietet diverse Räume, diesmal platzte es aber aus allen Nähten. Von etwa 600 Besuchern wurde gesprochen, was für die Location wirklich zu viel war. Hätte das jährlich Warhammer-Turnier stattgefunden, wäre definitiv Schluss gewesen.

Organisatorisch finde ich die Hspielt immer wieder sehr gelungen. Man merkt der Crew Erfahrung und Routine einfach an. Das übliche Gemecker über die Rundenaushänge war zwar zu hören, aber das hat man ja überall. Ich kann aus meiner SL-Sicht nur sagen, dass ich noch nie Probleme hatte. Der Kontakt war wie immer freundlich und auch eine kurzfristige Änderung an einer Rundenausschreibung war kein Problem. Nebenbei war es der Orga gelungen, mit John Kovalic und Robin D. Laws zwei internationale Ehrengäste anzulocken. Besonders letzterer fuhr diverse Programmpunkte, weswegen ich mich zeitweise ärgerte, drei Runden angeboten zu haben.

Aber die drei Runden haben Tradition. Ich fühle mich sehr mit dieser Convention verbunden und kenne auch die Leute, also tue ich gerne meinen bescheidenen Teil, um sie attraktiver zu machen. Nicht, dass ich viel dazu tun musste. Die Hspielt glänzt seit längerem mit einem sehr diversen Spielrundenangebot abseits der DSA-Shadowrun-Cthulhu-Hegemonie, die man anderswo oft findet. Im Regelfall findet man hier auch für abgefahrenere Sachen Spieler – Letztes Jahr habe ich z.B. Mentségur1244 erfolgreich anbieten können. Auch dieses Mal gab es von Barbarians of Lemuria über Space Pirates bis Ruh' Dich Nicht Aus wieder ein breites Angebot.

Am Samstag begann die Con für mich mit dem Treffen der hannöverschen und zugereisten Tanelornis. Dieses Jahr waren es nicht so viele wie noch im Vorjahr, aber es ist immer schon, sich mal „in natura“ zu sehen und etwas zu quatschen.

Meine erste Runde am Samstag war Panty Explosion Perfect. Unter dem Titel „MonsterHighschool Party“ fanden sich fünf mutige Spieler und Spielerinnen, die an einer japanischen Highschool auf Dämonenjagd gingen. Alle waren voll dabei, bereits die Charaktererschaffung war ein großer Spaß. Das Abenteuer selber verlief dann schwungvoll und lustig, mit einem würdigen Finale, das sogar ein paar Zuschauer anzog.

Weiter ging es dann mit einer Runde Colonial Gothic mit Fate to Go. Eigentlich wollte ich ja das System von Colonial Gothic nutzen – warum ich das nicht getan habe, ist einen eigenen Blogeintrag wert, sobald ich mal ausreichend schlechte Laune habe. So wurde es ein Horror-Abenteuer in den amerikanischen Kolonien um 1776. Im befreiten Boston galt es, eine Mordserie aufzuklären und mystische Vorkommnisse zu enträtseln. Auch hier hatte ich eine angenehme Runde an Spielern beisammen, die größtenteils keine Erfahrung mit Fate hatten, sich aber schnell zurecht fanden und ordentlich Tempo machten. Trotzdem musste ich zum Ende hin etwas straffen. Aber auch diese Runde war großes Kino.

Danach ging es noch mit den Hannoveranern in eine kleine Studentenkneipe in der Nordstadt, eine Kleinigkeit Essen und bis in die Nacht über Spiele fachsimpeln. Fazit des ersten Contags: Klasse.

Leider ging es Sonntag so nicht weiter. Ich hatte eine Runde Leverage angekündigt, auf die ich mich auch sehr freute. Immerhin wollte ich das System unbedingt mal antesten und hatte mir besondere Mühe in der Vorbereitung gegeben. Leider hatte ich überhaupt keine Chemie mit den Spielern, die letztendlich an meinem Tisch saßen. Da einer der Spiele überhaupt nicht kam, überredete ich kurzerhand Stefan aka Bombshell, sich uns anzuschließen. Aber die Spieleinstellungen am Tisch kollidierten so sehr miteinander, dass ich schließlich das Handtuch warf. Es lief einfach nicht. Für mich war das auch eine Premiere, bisher bin ich mit jeder Runde irgendwie klargekommen, hier war es aber nicht möglich.

So konnte ich noch den letzten Workshop von Robin D. Laws mitnehmen, der angenehm, aber nicht weltbewegend war. Der Tag klang dann mit netten Gesprächen aus. Das rettete mir die Hochstimmung, denn das Leverage-Debakel hatte mich schon runtergezogen.

Alles in allem wieder eine sehr schöne Hannover spielt, deren 20. ein würdiges Jubiläum war. Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich aber dennoch: Das Angebot im Café war schon mal besser, warme Speisen kann man zwar in der Umgebung ohne weiteres bekommen, aber das ist immer etwas umständlich. Außerdem gab es dieses Mal keine Schokoriegel (!!!) ! Die Locationlage in Hannover ist bekanntermaßen nicht einfach, aber die Bürgerschule ist, sofern die Besucherzahlen weiter steigen, nicht mehr groß genug. Wenn Tische auf dem Treppenabsatz mit dem Satz „Da hast du deine Ruhe“ verkauft werden, ist das ein guter Indikator.

Auf jeden Fall bin ich nächstes Jahr wieder dabei und kann jeden nur animieren, mal nach Hannover zu kommen.

Montag, 25. Februar 2013

Kartenwerk - Sawa no seki

Für das Tanelorn-Wintertreffen - das wieder einmal großartig war - habe ich eine Runde Legend of the Five Rings vorbereitet. Ausnahmsweise habe ich mal rechtzeitig mit der Vorbereitung angefangen, weswegen ich etwas Zeit hatte, mehr Arbeit in die Runde zu stecken.

Mit Hilfe dieses Tutorials habe ich mich an eine Karte erstellt. Zu sehen ist das Tal von Sawa no seki, in dem die Charaktere einen hochrangigen Daimyo stellen und aufhalten sollten, bevor er die Kaiserstadt Otosan Uchi erreichen konnte. Die Runde war tolles Samurai-Drama, dazu schreibe ich vielleicht später mehr.

Lange Rede, kurzer Sinn, hier ist die Karte:

Sawa no seki
Im Wesentlichen besteht die Karte aus ein paar Spielereien mit dem Tablett, über die Texturen gelegt wurden. Die Piktogramme habe ich ebenfalls mit dem Tablett erstellt und in das Bild kopiert. Mit ständigem nachlesen im Tutorial und etwas Gesuche im Internet hat die Karte etwa zweieinhalb Stunden gebraucht. Dafür bin ich vollkommen zufrieden.

Sonntag, 20. Januar 2013

[Forsooth!] The woeful and most bloody Tragedy of Falkirk


Nach meiner begeisterten Rezension von Forsooth sind wir endlich dazu gekommen, das Spiel einmal zu testen. Während es nicht sonderlich schwer ist, Spieler für Indies wie Fiasco zu finden, hat die vollkommene Freiheit eines improvisierten Shakespeare-Stücks scheinbar potentielle Mitspieler abgeschreckt. Wobei wir im Spieltest festgestellt haben, dass Forsooth trotz seiner Freiheit durchaus eine Strukturierung der Geschichte leistet, sehr gut sogar. Aber eins nach dem anderen.

(Wer sich mit den Grundmechaniken vertraut machen möchte, liest sich am besten nochmal die Rezension durch.)

Das Setting haben wir einfach ausgewürfelt. Das Ergebnis lautete “A City, near a Mighty River, in Scotland“. Da haben wir dann kurzerhand Falkirk draus gemacht, Fluss hin oder her. Auch die Themes haben wir ausgewürfelt. Es wurden „Unlikely Bedfellows“ und „Betrayal“.

Dann ging es reihum an die Charaktererschaffung. Da wir nur zu dritt waren (Jens, Henning und ich), erschuf jeder Spieler drei Charaktere. Der fertige Cast sah dann wie folgt aus:

Jens:



Judith
Älteste Tochter der Familie McDunnan
Nature: Thoughtful Woman of Honor
Motivation: Die Wahre Liebe finden
Oath: Niemals der Familie McDunnan zu schaden

Reynar
Bischof von Falkirk
Nature: Sophisticated Schemer
Motivation: Mutter Kirche ihren rechtmäßigen Anteil sichern
Oath: Niemals den weltlichen Versuchungen nachgeben

Helen
Zofe von Lady McDunnan und geliebte des Lords von Falkirk
Nature: Loving Fool
Motivation: Den Fürsten der Stadt zu heiraten
Oath: Niemals die Liebe aufgeben

Henning:



Sir Gregor
Erster Ritter von Lord McAallister
Nature: Puritanical Moper
Motivation: Den Ausgleich zwischen den Häusern McAllister und McDunnan erreichen
Oath: Den Eid zu seinem Herrn immer Treu zu halten

Lady McDunnan
Fürstin von Falkirk, Ehefrau des Lords
Nature: Knavish Tyrant
Motivation: Ihren Gatten zu töten und die Herrschaft an sich zu reißen
Oath: Niemals einen Mann ihr Herz erobern zu lassen

John
Sekretär und Bastard des Bischofs
Nature: Helpful Rake
Motivation: Judith zu heiraten
Oath: Niemals der Stadt Schaden zufügen

Meine Charaktere:



Robert McAllister
Sohn von Lord McAllister
Nature: Rakish Fool
Motivation: Lady McDunnan beim Mord an ihrem Gemahl zu helfen
Oath: Sich niemals gegen die Kirche zu stellen

Lord McDunnan
Lord von Falkirk
Nature: Boastful Villain
Motivation: Judith an den Sohn seines Rivalen zu verheiraten, um an dessen Reichtum zu gelangen
Oath: Niemals eine Beleidigung seines Hauses zu vergeben

Sir William
Sheriff von Falkirk
Nature: Brutish Dullard
Motivation: John beim Bischof in Ungnade zu stürzen
Oath: Lord McDunnan zu beschützen

Robert, Judith und Sir Gregor wurden jeweils als Protagonisten ausgewählt, aber Robert wurde in der 11. Szene durch einen Monolog von Sir William abgelöst. Grundidee während der Charaktererschaffung war eine Hochzeit zwischen den verfeindeten Häusern McAllister und McDunnan. Das zukünftige Brautpaar und der Abgesandte des feindlichen Fürsten sollten als Hauptpersonen im Mittelpunkt stehen. Das kam allerdings etwas anders, sobald die Geschichte an Dynamik gewonnen hatte.

Insgesamt wurden 18 Szenen gespielt, bevor alle Protagonisten tot oder verheiratet waren. Ich werde jetzt nicht jede Szene im Detail nacherzählen, sondern einfach eine Zusammenfassung schreiben. Also: Vorhang auf!

Die Tragödie beginnt

Bischof Reynar und Lord McDunnan berieten über die zukünftige Verbindung zu den McAllisters, als der Bote Sir Gregor in Falkirk eintraf. Er brachte die Bedingungen der Eheschließung. Alle Ländereien südlich des Flusses sollten an MacDunnan fallen, dafür würde Robert die Länder halten, bis der Sohn der McDunnans volljährig wäre. Man stimmte zu und Sir Gregor sandte einen boten, um Robert nach Falkirk zu rufen.

Dieser war indes schon in der Stadt, wo er sich im Garten der Burg mit Lady McDunnan traf, um den Mord am Lord zu planen. Beide merkten nicht, dass Judith das Gespräch belauschte, während die Lady den jungen Draufgänger anstachelte, ihren Mann schnell zu töten. Robert war bereit und wollte schnell drauflos stürmen.

Der Bischof seinerseits plante mit seinem Sohn John, wie sie sich gegen den Lord behaupten und sich an der Hochzeit bereichern konnten. Während sie so ihre Ränke schmiedeten, kam Sir William in die Kanzlei, um den Ehevertrag abzuholen. Mittels eines Asides legte ich fest, dass er die beiden hinter der offenen Tür belauschte, während der Bischof offen mit seinem Bastard sprach, und der Sheriff so die familiäre Bindung der beiden erfuhr. Als er eintrat und den Bischof um den Vertrag bat, gerieten er und John noch in einen kurzen Streit.

Währenddessen brachte Helen Sir Gregor in die Gästekammer, während sie versuchte, den Grund fr seinen Besuch in der Stadt zu erfahren. Helen war allerdings eine eher simple Seele, der Sir Gregor zwar enthüllte, was es mit der kommenden Hochzeit auf sich hatte, ihr aber auch mit dem Tode drohte, falls sie davon spräche. Denn die Armee der McAllisters sei in den Hügeln vor der Stadt verborgen, um jedem Verrat durch die McDunnans zu begegnen.

Hier nahm Jens den ersten Aside, damit Helen sofort eine Szene außer der Reihe erhielt. In dieser Szene warnte sie den Lord vor der Armee, aber die beiden wurden von Lady McDunnan ertappt. Nachdem die Lady mit halbgaren Erklärungen abgespeist worden war, hielt der Lord den ersten Monolog des Abends. In diesem verfluchte er die verräterische Ader der McAllisters und versprach, Sir Gregor zu erschlagen, sobald es Zeichen des Verrats gab. Sir Gregor war also Foreshadow'd und konnte ab jetzt zu jeder Zeit getötet werden.

Zur gleichen Zeit sprachen Judith und John im Beichtstuhl der Kirche miteinander. John erzählte seiner Angebeteten von der beschlossenen Hochzeit, sie wiederum erzählte von dem vermummten Fremden, den sie mit ihrer Mutter gesehen hatte. Während des Gesprächs betrat Robert die Kirche, um zu beten. Der junge Narr benahm sich hochnäsig und arrogant, so das John ihn zurecht wies. Nachdem Robert gegangen war, folgte ein Monolog Johns, in dem auch der Tod Roberts foreshadow'd wurde.

Helen und Sir William tragen indessen in der Burgküche aufeinander. Beide waren nicht unbedingt die – sagen wir einmal – schärfsten Messer in der Schublade. Sie erzählten von den Ränken, die den Lord bedrohten, und waren entsetzt von dem, was sie vom jeweils anderen erfuhren. Beide waren in heller Aufregung und Sir William war bereits in die Stadt gestürmt, als Lady McDunnan die Küche auf der Suche nach Helen betrat. Sie gab ihrer Zofe eine Flasche, die sie dem Lord bringen sollte, angeblich ein Geschenk von Sir Gregor. Da die Zofe dem Ritter misstraute, trank sie die Flasche selbst aus.

Die Küchenszene war von Jens geframed worden (bzw. er war der „Barde“ für die Szene), und obwohl Helen nicht foreshadow'd war, erzählte er ihren Tod durch das Gift in der Flasche, wodurch er sofort eine Todesszene für die Zofe erhielt. In der Sterbeszene warnte die Zofe ihren geliebten Lord vor der Armee der McAllisters und erzählte von dem Gift. Dann hauchte sie in den Armen ihres Geliebten ihr Leben aus. Dieser rief sofort nach dem Sheriff, um Sir Gregor hinrichten zu lassen.

Helens recht früher Tod war überraschend, aer passte gut in die Geschichte, die sich zu entwickeln begann. Es wurde auch direkt beschlossen, dass die Zofe als Geist wiederkehren sollte.

In seinen Gemächern sinnierte Sir Gregor gerade über die bösen Vorzeichen, die er für die Hochzeit sah, und die Gefahr, die beiden Häusern drohte. Da stürmte Sir William mit den Wachen den Raum, aber mittels eines Asides konnte er durch einen Geheimgang fliehen.

Schließlich war es an der Zeit, dass die beiden Versprochenen sich kennen lernen sollten. Im Thronsaal stellte Lady McDunnan ihre Tochter Robert vor. Judith war allerdings alles andere als angetan und fauchte die Lady an, woraufhin sie aus dem Saal gebracht wurde. Robert indes ließ sich von der Lady noch einmal anstacheln, Lord McDunnan bald umzubringen. Als Robert sich aufmachte, folgte ein Monolog der Lady, in dem auch der Lord foreshadow'd wurde.

Später stellte die Lady ihre Tochter zur Rede. Sie hielt ihr eine Standpauke über die Erbfolge und die Vorzüge Roberts, wies sie aber auch darauf hin, wie gut eine Lady ihren Gatten lenken könne. Aber die Tugendhaft Judith ließ sich davon nicht beeindrucken. Mittels eines Asides etablierte die Lady, dass sie die Gespräche zwischen John und Judith von Spitzeln zugetragen bekäme. War ihr den einfiele, sich mit einem mittellosen Sekretär einzulassen? Bevor Judith ihre Verteidigung für John beenden konnte, betrat Sir William das Gemach. Der Lord habe erkannt, dass die Lady die Flasche mit dem Gift an Helen gegeben hatte, weswegen er seine Frau in den Kerker gebracht haben wollte. Die Lady wehrte sich zwar mit allen Argumenten, aber der treue Sir William war unbeugsam und brachte die Lady fort. Daraufhin hielt er seinen Monolog, in dem er über die tiefen Wurzeln von Verrat und Missgunst sprach. Der Monolog beleuchtete das Thema „Betrayal“, weswegen Sir William zum Protagonisten aufstieg.

Am Abend brachten der Bischof und John die fertigen Verträge zum Lord. In seinem Audienzzimmer unterhielten sie sich über ihre Pläne, als der Lord auftrat. Ein Aside des Lords legte fest, dass Sir William ihm von der Verwandtschaft der beiden Kirchendiener erzählt hatte. Er trat zu ihnen, und als John den Mund öffnete, verplapperte ich mich in der Rolle: Obwohl die Verwandtschaft nicht thematisiert wurde, rutschte mir ein „Hört auf euren Vater!“ heraus. Und daraus entwickelte sich eine wundervolle Szene, in der der Bischof den Lord überreden konnte, den McAllisters nicht den Krieg zu erklären, ihn zur Scheidung von der Lady bewegte und die Vormundschaft über den Sohn des Lords erringen konnte. Der Lord war beinahe besnftigt...

...da wollten wir die Boten-Mechanik ausprobieren. Wir würfelten also eine Nachricht aus, die den Lord in diesem Moment erreichen sollte. Das Ergebnis, „A Puritan has flogged a Knave“, passte auf Sir Gregor und Lady McDunnan. Deswegen beschlossen wir kurzerhand, Sir Gregor habe die Lady auf dem Weg in den Kerker erschlagen, da sie ihn für den Giftanschlag verantwortlich gemacht habe. Nun saß der Ritter im Kerker. Der Lord kochte natürlich vor Zorn. Die Szene endete mit einem „McDunnan zur Ehr, und Falkirk zur Wehr. Der Lord ab!“

In der Nacht weilte Robert im Burggarten, wo er über den unvermeidlichen Krieg der beiden Häuser nachsann. Durch einen Aside kam Sir Gregor hinzu, der im Off gerettet worden war. Beide waren entschlossen, den McAllisters zum Sieg zu verhelfen, und flohen aus der Stadt, um sich ihrer Armee anzuschließen.

Am nächsten Morgen bereitete sich Lord McDunnan darauf vor, in die Schlacht zu reiten. Da trat Judith zu ihrem Vater, um sich mit ihm auszusprechen. John, der auch dazu kam, wurde vom Lord als zukünftiger Gemahl für seine Tochter abgelehnt. Vielmehr beschuldigte er den Bastard sogar, die Ehre seine Hauses zu beflecken. Judith sprach herzergreifend für ihren Geliebten, so das McDunnans Herz erweicht wurde. Er brach seinen Schwur, jede Kränkung seiner Ehre zu vergelten, schlug John zum Ritter und versprach ihm die Hand seiner Tochter. Dann ritt er, mit John an seiner Seite in die Schlacht.

Und ich sehe gerade an meinen Aufzeichnungen, dass wir den Lord in dieser Szene ein zweites Mal foreshadow'd haben. Nicht aufgepasst, aber wir waren zu dem Zeitpunkt auch tief in der Geschichte „drin“.

Auf dem Schlachtfeld trafen sich Die Ritter William und Gregor. Beide warfen sich die Untaten ihrer Herren vor und beschimpften sich. Da tauchte Helens Geist auf, was Gregor sichtlich einschüchterte, da sie ihm vorwarf, er habe sie getötet. Einen kurzen Monolog von Gregor später war allerdings auch Sir William foreshadow'd und beide Ritter erschlugen sich gegenseitig. In der gemeinsamen Sterbeszene trafen die Geister der Ritter auf Helen. Gemeinsam gingen die drei treuen Diener, die nur ihren Herren gedient hatten, ins Jenseits.

Nach der Schlacht kehrte ein tödlich verwundeter Lord McDunnan in die Burg zurück, getragen von John. Der Lord nahm die Hand seiner Tochter, berichtete von Roberts Tod (der durch eine einfache Erzählung möglich war, da er foreshadow'd wurde), und gab John die Hand seiner Tochter. Die beiden wurden verheiratet, wodurch die Endbedingungen für das Stück erreicht waren. Zwei Protagonisten waren tot (Gregor und William), eine verheiratet (Judith).

Wir schlossen das Stück mit der Todesszene des Lords, der über den Stolz klagte, der sein Haus in den Staub geworfen hatte.

Fazit

Forsooth hat meine ohnehin hohen Erwartungen auf ganzer Linie erfüllen können. Die wenigen Regeln bieten gerade so viel Struktur, dass genau das heraus kommt, was erreicht werden soll: Ein Stück, das Shakespeare geschrieben haben könnte. Wir waren immer wieder erstaunt, wie „echt“ sich das Stück anfühlte und waren alle der Meinung, es würde auf einer Bühne funktionieren.

Natürlich gibt es die Einschränkung, die für viele Indies gilt: Man braucht aktive Mitspieler, die sich auf die Spielprämisse einlassen. Das hat bei uns ausgezeichnet funktioniert, das wird es aber nicht für alle Spieler tun. In unserem Fall waren wir bald voll in die Thematik eingestiegen und redeten entsprechend hochgestochen daher.

Mit jeder Szene nahm das Spiel sogar noch Fahrt auf. Während wir Anfangs noch festlegten, was ungefährer Szeneninhalt sein sollte, war bei späteren Szenen ohne Absprache klar, in welche Richtung es ging. Jeder von uns hat Ideen aufgenommen, weiter gesponnen oder einfach die Situation eskalieren lassen. Ganz ungewollt hatte das Stück am Ende sogar eine Moral: Die tugendhafte Tochter und der einfache Schreiber überstehen die Tragödie, weil sie bescheiden und ehrenhaft bleiben.

Mein einziger Kritikpunkt ist die Applausvergabe. Nach jeder Szene überlegt man, und das bremst teilweise den Fluss. Die Applauschips als Fanmail funktionieren zwar, aber wenn das Stück gelungen ist, ist es am Ende komplett egal, welche Charaktere „gewinnen“. Andererseits ist der Applaus als sofortiges Feedback sehr sinnvoll. Judith und der Lord waren die Gewinnercharaktere, und beide haben die Story gut voran gebracht. Der Bischof war auch oben dabei, obwohl er selten auftrat. Daraus kann man direkt schließen, welches Verhalten für die Mitspieler im Sinne des Stücks funktionieren. Dennoch bleibt die Vergabe störend, da sie außer des möglichen „Gewinnens“ keine mechanische Einbettung erfährt.

Trotzdem bleibe ich dabei: Ein gelungenes Spiel! Ich will gar nicht mit Superlativen um mich werfen, obwohl ich dazu sehr wohl geneigt bin, lege das Spiel aber jedem ans Herz, der oder die sich mit der Thematik anfreunden kann. Eine gewisse Neigung zum Erzählspiel halte ich aber für eine Voraussetzung.

Wertung: Fünf von fünf Hamlet-Totenschädeln