Freitag, 14. März 2014

[GxB] Das Liebesleben japanischer Teenager

Ich bin ja grundsätzlich sehr zufrieden mit meinem rollenspielerischen Umfeld. Es gibt kaum ein Spiel, für das ich keine Mitspieler zum Ausprobieren finde. Falls doch mal ein Spiel dabei ist, dass abgelehnt wird (oder bei dem ich gar nicht erst fragen brauche – ich kenne ja meine Pappenheimer), gibt es immer noch die Tanelorn-Treffen. Und inzwischen kenne ich auch einen Kreis indie-interessierter Dramafreunde auf der Drachenzwinge.

Mit Teilen der Besetzung, mit der ich bereits zwei großartige Monsterhearts-Runden spielen konnte, haben wir vor kurzem GxB – Girl x Boy von Atarashi Games ausprobiert. Eigentlich wollten wir die Blood of Misty Harbor-Kampagne zu Ende spielen, aber der SL konnte nicht. Also wurde kurzerhand ein weiterer Freiwilliger gefunden und nach einigem hin und her und einer Terminverschiebung war es dann so weit.

Damit das hier kein reiner Spielbericht wird, beginne ich mal mit einer kurzen Zusammenfassung bzw. Rezension von GxB:

Das Spiel ist einer japanischen Dating Sim nachempfunden. Momoko ist neu an der Atarashi High School (dem generischen Setting für alle Anime-Spiele von Atarashi Games) und hat beschlossen, das es an der Zeit ist, sich zu verlieben. Für dieses Unterfangen kommen drei Mitschüler in Frage. Der Bad Boy Ichigo, der Streber Takemichi und die Jahrgangssprecherin Risa.

Also geht Momoko auf drei Dates. Während jedes Dates dürfen die beteiligten Spieler nur in Charakter reden oder die Handlungen ihrer Charaktere beschreiben. Die anderen beiden Spieler fungieren als Spielleiter für die jeweilige Szene und sind dafür verantwortlich, das allerlei peinliches Geschieht. Immer dann, wenn ihr Date etwas romantisches, nettes, lustiges oder sonst wie bemerkenswertes tut, vergibt die Spielerin von Momoko eine Spielkarte. Derjenige Charakter, der am Ende die meisten Herzkarten erhalten hat, ist Momokos Auserwählte(r).
Der Umschlag von GxB lässt keine Fragen offen

Das ist im Prinzip auch schon das ganze Spiel. Die Regeln kommen als voll farbiges Softcover daher, im Format 26x14cm. Die Seiten sind wie ein Schulblock aufgemacht, die Illustrationen sind allesamt charmante Manga-Zeichnungen. Mit nur 24 Seiten ist das Heft etwas dünn, aber bei einem Preis von 9,95€ (beim Sphärenmeister) finde ich das in Ordnung. Das Pdf kann man bei DrivethroughRPG teilweise günstiger bekommen.

Pluspunkte sind die Charakterkarten am Ende des Buchs, die es auch als Download auf der Herstellerseite gibt, sowie die Zusammenfassung der Regeln in Comicform – übrigens ein Feature aller Atarashi-Anime-Spiele.

Aber genug der Vorrede, wie ist es im Spiel gelaufen?

Nach einer kurzen Erklärung wurden die Rollen verteilt. Momoko wurde von Nocturama übernommen, Risa von Narrenspiel, Ichigo von Harekrishnaharerama und Takemichi von mir. Das Spiel lief über den Teamspeak-Server der Drachenzwinge, für den Spielkarten-Mechanismus haben wir Roll20 verwendet.

Momoko entschloss sich als erster, Takemichi auf ein Date einzuladen. Die Spielerin von Momoko entscheidet immer, ob sie selbst einlädt, oder eingeladen wird. In diesem Fall fragte sie Takemichi nach der Schule, ob er sie nach Hause begleiten wolle. Nach der Einladung legt die Begleitung drei Aktivitäten für das Date fest. Takemichi lud Momoko ein, ihn zur Hausaufgabenhilfe zu begleiten, die er nach der Schule geben musste. Danach könnten sie in einer Bäckerei vor der Schule etwas essen, bevor er sie nach Hause begleiten würde.

Sobald es los ging, legten Narrenspiel und Hare auch gleich mit den Komplikationen los. Der Schläger Kato saß in der Hausaufgabenhilfe und machte Ärger, und eine Lehrerin erzählte Takemichi von einer tollen Gelegenheit, den Mathewettbewerb zu gewinnen, wenn er länger bliebe um zu üben. Nebenbei war Zeit für viel „teenage awkwardness“ und hochrote Köpfe. Das wurde auch nicht besser, als die beiden die Bäckerei erreichten, in der Takemichis Mutter mit einer Nachbarin und deren Tochter Kaori saß. Scheinbar sollte Takemichi mit Kaori verkuppelt werden, der ließ diese aber stehen, um Momoko zu begleiten. Auf dem Rückweg – im strömenden Regen – rettete Takemichi noch eine Katze und lief mit Momoko vor Kato und seiner Gang weg.

Am Ende des Dates geben die beiden „Spielleiter“ Momoko zwei Handlungsoptionen: Eine ist ein Bisschen peinlich, bringt die beiden Datenden sich aber näher, die zweite ist abweisend. Je nachdem, was Momoko auswählt, gibt es Zusatzkarten oder es werden Karten abgezogen. Momokos Optionen nach dem ersten Date waren einerseits den durchnässten Takemichi vor ihrer Haustür stehen zu lassen, andererseits ihm ihre Jacke mitzugeben. Momoko entschied sich für letzteres, was drei zusätzliche Karten für Takemichi brachte. Mit 8 Herzen legte Takemichi einen großen Vorsprung vor.

Date zwei fand mit Risa statt. Die Jahrgangssprecherin fragte Momoko, ob sie mit ihr zum Kirschblütenfestival gehen wolle – unter dem Vorwand, das sie dort eine Menge ihrer Mitschüler kennen lernen könne. Auf dem Festival stießen die beiden aber auf die Freundinnen von Risa, zu denen auch Kaori gehörte. Die war immer noch sauer wegen des Zwischenfalls mit Takemichi und wollte Risa dazu bewegen, Momoko allein zurück zu lassen. Risa setzte sich aber für Momoko ein und so machten die beiden sich daran, den Tag zu genießen. Ein Zwischenfall beim Kleider anprobieren – neues Kleid plus Eiskugeln vertragen sich nicht – ging es zur nächsten Aktivität.

Risa sollte mit ihrer Band beim Festival auftreten. Aber es gab Probleme mit Make Up und Kleidung, die Momoko lösen könnte. Als dann auch noch die Technik streikte, legte Risa eine Unplugged-Spontannummer für Momoko hin. Als die beiden endlich beim abendlichen Feuerwerk beieinander saßen, waren Momokos Optionen sich von Risa umarmen zu lassen und sich an sie zu schmiegen, oder aber vor dem physischen Annäherungsversuch zurück zu schrecken. Auch hier entschied sich Momoko für die positive Option. Allerdings konnte Risa trotz vieler verdienter Karten nur vier Herzen verbuchen.

Auf ging es zu Date Nummer Drei. Ichigo lud Momoko zum Volleyball spielen nach der Schule ein. Die übrigen Aktivitäten waren dem Bad-Boy-Image angemessen: Nacht unter Momokos Fenster auftauchen und heimlich Schwimmen zu gehen. Aber zuerst stand Volleyball auf dem Programm, und natürlich gehörte Kaori zu den Mitspielerinnen. Diese ließ sich darüber aus, das sie am letzten Wochenende so viel Spaß mit Ichigo gehabt habe und konnte sich wiederum einige schnippische Bemerkungen über Momoko nicht verkneifen. Als Ichigo sie abblitzen ließ, schmetterte sie Momoko den Ball an den Kopf. Beim Versuch, Momoko zu beschützen, landete Ichigo dann prompt auf der am Boden liegenden Mitschülerin...

Schnitt in die Nacht. Momoko steht peinlich berührt im Nachthemd am Fenster, lässt sich von Ichigo aber überreden, mit zum Schwimmen zu fahren. Während die beiden mit dem Moped unterwegs waren, trafen sie auf Ichigos Freunde, die einige anzügliche Bemerkungen fallen ließen, die Momoko sehr zusetzten. Ein Anruf von Kaori, die Ichigo zu sich nach Hause einlud, und ein sich ankündigendes Gewitter erschwerten die Situation weiter. Die Szene am Badesee war dann einerseits so herrlich peinlich, wie es nur Teenie-Liebesgeschichten sein können, andererseits aber so witzig, das ich lachend am PC saß. Als die beiden Schüler schließlich im strömenden Regen vor Momokos Haus standen, waren ihre Optionen Ichigo in ihrem Zimmer übernachten zu lassen, oder ihn nach Hause zu schicken. Und auch hier entschied sich Momoko für die positive Variante, was Ichigo auf insgesamt fünf Herzkarten brachte.

In der Szene am Badesee hatten wir übrigens eine interessante Entwicklung. Während die Dates mit Risa und Takemichi sehr „vanilla“ waren, schwang hier schon unterschwellig das Thema Sex mit. Wohl dadurch bedingt war ein Vorschlag für Momokos Handlungsoptionen am Dateende, das sie und Ichigo miteinander schlafen würden. Darüber mussten wir ein wenig diskutieren, da das einerseits nicht so recht zu Nocturamas Darstellung von Momoko passte, andererseits die lockere Grundstimmung radikal verändert hätte. Aber dank der Mitspieler, die alle an einem Strang zogen, war das schnell zu unserer aller Zufriedenheit geklärt.

Blieb nur noch die Szene, in der Momoko ihrer wahren Liebe genau diese gestand. Mit acht Herzen war Takemichi der klare Sieger, obwohl sein Date eigentlich nur aus einer Aneinanderreihung diverser Debakel bestand. Nach der Schule überreichte eine nervöse Momoko Takemichi einen selbstgezeichneten Manga, in dem sie ihm ihre Liebe gestand. Jetzt hat der Spieler den Regeln nach die Möglichkeit, Momoko abzuweisen, aber das passte einfach nicht zur Stimmung. Also zeichnete Takemichi in das letzte Panel, das noch frei war, ein Bild von den beiden, wie sie Händchen hielten. Und gemeinsam verließ das frischgebackene Paar die Schule...

Mein Fazit: GxB ist thematisch sicher sehr speziell. Die Spieler müssen genau das wollen, was das Spiel vorgibt. Eine Grundstimmung, die light hearted und komisch daher kommt, mit ein paar peinlichen Momenten und ein wenig Romantik angereichert. Die Regeln bieten keine Regeln, um diese Stimmung zu forcieren, sondern nur den Rahmen für die Handlung. Wenn die Spieler dann nicht auf der gleichen Wellenlänge sind, kann das Spiel sicherlich auch entgleisen.

In dieser Runde war das nicht der Fall und ich bedanke mich bei meinen Mitspielern für einen Abend mit viel Gelächter und Teenie-Drama. Das Spiel ist eindeutig für Fans von Animes wie Princess Princess, Ah! My Goddess oder TokyoMarble Chocolate gemacht. Wenn ihr zur Zielgruppe gehört, lohnt sich ein Blick auf jeden Fall.

Donnerstag, 30. Januar 2014

Magische Gegenstände zum Anfassen

Zugegeben, es wird etwas weniger spektakulär, als es der Titel vermuten lässt. Aber haben wir am Spieltisch nicht alle ab und zu etwas haptisches gern? Fatepunkte und Bennies zum Anfassen uns Austeilen, oder auch Miniaturen, gehören an vielen Tischen zum Spiel.

Als kleine Spielerei habe ich vor einigen Wochen für unsere Dragon Age-Kampagne eine Artefakt-Karte für einen magischen Gegenstand gebastelt. Da der Gegenstand eine Wirkung hatte, die nicht ganz auf der "lichten" Seite lag, sollten die Spieler die Karte herumreichen können. So wäre jederzeit klar, wer im Besitz des Gegenstands ist. Also habe ich mir den Magic Set Editor mal näher angeschaut und losgebastelt. Das Ergebnis seht ihr rechts.

Der Arbeitsaufwand ist minimal. Verschiedene Kartenlayouts kann man einfach per Mausklick auswählen. Eine kurze Googlesuche, um ein passendes Bild zu finden, und den Text eingeben. Dann muss man die Karte nur noch ausdrucken, laminieren und ausschneiden. Fertig ist das Artefakt zum Anfassen!

Dann meinte ein Mitspieler, man könnte auch die verschiedenen Zauber in dieser Form aufbereiten. Die Idee hatte ich auch schon, denn auch mit mittlerweile drei Regelbüchern am Tisch kommt es immer wieder zu Blätterei, wie genau einzelne Zauber nun funktionieren. Ursprünglich wollte ich mit Word eine Vorlage für etwa karteikartengroße Zauberkarten erstellen. Über die Magickarten-Variante hatte ich noch gar nicht nachgedacht.

Also haben wir uns gemeinsam hingesetzt und herum probiert. Wir haben den fünf Magieschulen Kartenfarben zugeteilt (Primal-Blau, Spirit-Weiß, Entropy-Schwarz, Creation-Grün, Blood-Rot) und rechts oben, wo normalerweise bei Magickarten die Manakosten stehen, stehen die Spruchkosten in Magiepunkten. Die Zauberbeschreibungen in die Textfelder zu formatieren war etwas krampfig. Bei längeren Zaubern hat die Lesbarkeit etwas gelitten, bei einem Zauber (Levitate) steht nur ein Verweis auf die passende Seite im Buch - die Zauberbeschreibung war einfach viel zu lang. Unten auf jeder Karte steht noch ein Verwis, in welchem Buch und auf welcher Seite der Zauber beschrieben wurde. Als Grafiken habe ich hauptsächlich Screenshots aus den Dragon Age-PC-Spielen benutzt. Das hat insgesamt etwas länger gedauert, immerhin gibt es in den ersten beiden Sets von Dragon Age 56 Zauber.

Der Magic Set Editor kann ein erstelltes Kartenset als Jpegs umwandeln oder eine Druckvorlage erstellen. Ich habe die Druckvorlage mit Pdf95 in eine Pdf-Datei umgewandelt, die ich im Copyshop ausdrucken lassen habe. Der Farbdruck auf 100g-Papier kann sich sehen lassen.

Für die Haltbarkeit wurden die Bögen laminiert, dann wurden die einzelnen Karten ausgeschnitten. Das habe ich zu Hause gemacht, ein billiges Laminiergerät habe ich vor einiger Zeit mal bei Kaufhof erstanden. Beste Rollenspielanschaffung überhaupt, nebenbei bemerkt. Laminierte Referenzbögen kann man ewig benutzen, ohne ständig neue ausdrucken zu müssen. Aber ich schweife ab.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich präsentiere die Dragon Age-Zauberkarten. Zwei Sets für die beiden Magier-Spieler, zwei Sets für mich als Spielleiter - so kann ich auf Cons auch mal Karten an Spieler rausgeben.

Eine handvoll fertiger Zauberkarten


Montag, 25. November 2013

[Fiasco Monday] Toil & Trouble

Mit einer Woche Verspätung startet der Fiasco Monday dann doch noch. Letzte Woche hatte mich eine Mischung aus NaNoWriMo, einem Lindy Hop-Workshop am Wochenende und ganz einfach das „echte Leben“ dermaßen im Griff, das ich es einfach nicht geschafft habe, rechtzeitig fertig zu werden. Und da es nicht Fiasco Tuesday heißt, habe ich mir einfach eine Woche Zeit gegönnt, um es „richtig“ zu machen.

Anfang November habe ich ein paar Freunde in Dresden besucht. Nach einem anstrengenden Tag in der Altstadt und dem Residenzschloss kam die Frage nach einer Abendbeschäftigung auf. Da meine beiden Gastgeber, Gesa und Malte, kürzlich den Sprung vom Liverollenspiel zum Pen&Paper gewagt haben, und ihr derzeitiger Mitbewohner Josa seine DSA-Bände da hatte, stand Rollenspiel hoch im Kurs. Da mich mit DSA allerdings eher so etwas wie eine Hassliebe verbindet, war ich wenig begeistert und schlug im Gegenzug Fiasco vor – immerhin bekommt nahezu alles zum Spielen wichtige im Internet, und sobald man das Spiel ein oder zwei Mal gespielt hat, braucht man das Buch nicht mehr zwingend.

Die anderen drei waren von meiner enthusiastischen Beschreibung des Spiels wohl angetan und wollten es gerne mal ausprobieren. Also ab auf die Fiasco-Homepage und Playsets gesichtet. Nachdem wir ein paar in der engeren Auswahl hatten, entscheiden wir uns für Toil&Trouble, das inoffizielle Harry-Potter-Playset.

Nachdem alles nötige ausgedruckt und das Spiel erklärt war, ging es ans Setup. Wir wollten alle im gleichen Haus sein und entschieden uns für Slytherin. Nachdem die Würfel geworfen und verteilt waren, ergab sich folgendes Setup:

Das Setup


Norbert und Josephine waren die Vertrauensschüler des Hauses. Norbert hatte Josephine versprochen, ihr einen Liebestrank zu besorgen, damit sie sich an einem Lehrer Rächen konnte, der ihr eine schlechte Note verpasst hatte.

Josephine und Stella waren Schwester, die um die Gunst ihres Vaters, der auch Schulleiter war, wetteiferten. Josephine hatte dabei als gute Schülerin die Nase vorn, weswegen sich Stella den dunklen Künsten zugewandt hatte.

Zusammen mit Sagittaria versuchte Stella, mächtige dunkle Magie zu lernen. Beide wollten dadurch einfach nur reich und angesehen werden. Koste es, was es wolle.

Sagittaria und Norbert hatten ein eher schwieriges Verhältnis. Norbert hatte sowieso immer auf Sagittaria rumgehackt. Nachdem er aber mitbekommen hatte, das sie sich an ihm rächen wollte, verabreichte er ihr den Liebestrank, der eigentlich für Josephine sein sollte.

Und damit waren wir auch schon mittendrin in unserem eigenen, kleinen Fiasco. Norbert und Josephine stritten um den Liebestrank, wobei Norbert mehr Zeit haben wollte, um einen neuen Trank zu besorgen. Stella fand heraus, das ihre Schwester irgendeinen Deal mit Norbert hatte und war etwas verwirrt, als Sagittaria die ganze Zeit von Norbert schwärmte, statt mit ihr dunkle Zauber zu lernen. Sagittaria schließlich, unter dem Einfluss des Liebestranks, fragte Norbert, ob er mit ihr zum Winterball gehen wolle und blitzte böse ab.

Die ersten vier Szenen hatten schön den Ton für die nächste Runde angegeben. Im zweiten Durchgang wollte Norbert von Stella einen Liebestrank erwerben, denn sie war eine gute Schülerin in Zaubertränke. Dabei fand Stella heraus, dass der Trank für Josephine bestimmt war. Josephine wollte inzwischen Norbert bei ihrem Vater anschwärzen, der ihr aber nicht glaubte. Stella jubelte Norbert einen falschen Liebestrank unter, damit er keinen Unsinn mit ihrer Schwester anstellen konnte. Und Sagittaria holte das alte Zauberbuch von Tante Bellatrix hervor, um den Imperius-Fluch zu lernen, damit Norbert mit ihr zum Ball ginge.

Damit war der erste Akt auch schon beendet. Wir machten eine kurze Pause, um über das geschehene und die Richtung der Ereignisse zu sprechen, dann würfelten wir den Tilt aus. Die ausgesuchten Ergebnisse lauteten:
A stupid plan, executed to perfection
Love rears its ugly head

Beides passte prima, und wir stürzten uns in Akt 2, um unsere Charaktere grandios scheitern zu lassen.

Norbert übergab den falschen Liebestrank an Josephine, die ihn nichtsahnend annahm. Sie brachte sich auch gleich in Schwierigkeiten, als sie versuchte, den Trank dem verhassten Lehrer einzuflößen. Stela hatte inzwischen rausgefunden, was für ein Spiel Norbert mit ihrer Freundin Sagittaria spielte und stellte ihn zur Rede. Nur lief das ganz und gar nicht wie geplant, Norbert erpresste sie, um sie als Date mit auf den Ball zu nehmen. Kurz danach erwischte Sagittaria Norbert allein in der Umkleide nach dem Qudditch-Training und wirkte erfolgreich den Imperius-Fluch.

Die letzten vier Szenen standen an und wir einigten uns, das der Winterball für den Showdown am besten geeignet wäre. Insbesondere, da wir bei der Besprechung des Tilts festgelegt hatten, das Stella und Norbert wirklich Gefühle füreinander hatten, und die Dreiecksgeschichte versprach einen Knall zum Schluss.

So kam Norbert mit Sagittaria auf den Ball, was insbesondere Stella verstimmte. Natürlich kam es zum Eklat, in dessen Verlauf Norbert von Josephine mit einem Finite Incantatum vom Imperius.Fluch befreit wurde. Stella und Norbert hatten einen kleinen Augenblick, in dem sie beinahe zueinander gefunden hätten. Aber Sagittaria, immer noch unter der Wirkung des Liebestranks und schwer verletzt, richtete ihren Zauberstab auf ihre große Liebe. „Wenn ich dich nicht haben kann, dann kann dich keine haben! Crucio!“

Das war das Ende des zweiten Akts und ein schöner Abschluss für die Runde an sich. Die Aftermaths waren für alle Charaktere durchwachsen. Im Abspann wurden die weiteren Fehlschläge in den Leben der Charaktere beleuchtet, was insbesondere für Sagittaria und Stella einen Abstecher nach Azkaban bedeutete.

Das Fazit der Runde: Unglaublich toll. Die Runde erreicht einen hart umkämpften zweiten Platz in meiner Liste der besten Fiascos. Das Harry-Potter-Thema hat gut gepasst und dafür gesorgt, das es nicht ganz so düster wurde, wie es hätte werden können. Meine drei Mitspieler haben klasse gespielt und an einem Strick gezogen, obwohl alle drei Neulinge sowohl beim Fiasco-Spielen, als auch bei Indie-Spielen an sich waren. Wir hatten ein paar Schwierigkeiten am Anfang, was aber hauptsächlich dazu geführt hat, das Szenen öfter von anderen geframed wurde, statt vom aktiven Spieler selbst geframed zu werden.

Trotz der sehr guten Erfahrung mit Fiasco-Anfängern muss ich aber auch hier immer wieder betonen: Das Spiel funktioniert nur, wenn sich alle darauf einlassen und Spaß an der gemeinsamen Erzählung haben. Das war hier eindeutig gegeben und deswegen gibt es jetzt drei neue Fiasco-Fans. Besser geht es nicht.

Montag, 11. November 2013

Montag ist Fiasco Monday

Als ich letztes Jahr den Eintrag Meine 10 für die Insel schrieb, habe ich eine vollmundige Behauptung über Fiasco aufgestellt:

Ich habe noch nie eine schlechte Runde Fiasco gespielt. Einige meiner absoluten Runden-Highlights waren Fiasco-Runden, und da ist noch viel Luft für mehr.

Da ich einerseits immer noch voll hinter dieser Aussage stehe, andererseits auf meinem Blog schon viel zu lange nichts los war, erkläre ich Montag ab sofort zum Fiasco Monday!

Das heißt, das ich die kommenden Montage über Spielberichte über die bisher von mir gespielten Fiasco-Runden gefüllt werden. Vielleicht bekommt dabei der eine oder andere Lust darauf, das Spiel selbst einmal zu spielen. Vor allem, da es mittlerweile in deutscher Übersetzung von Pro Indie vorliegt.

Für diejenigen unter euch, die mit dem Namen Fiasco überhaupt nichts anfangen können:

Die Spielberichte werden etwas ungenauer werden, je länger sie zurück liegen. Deswegen geht es nächste Woche mit dem Bericht einer Runde vom vergangenen Wochenende los: Toil & Trouble

Dann also bis nächsten Montag. Hoffentlich wird es kein Fiasco!

Samstag, 13. Juli 2013

[Monsterhearts] The Blood of Misty Harbour

Gestern hatte ich die Gelegenheit, über die Drachenzwinge einmal Monsterhearts auszuprobieren. Das Spiel steht schon länger bei mir, ich habe es bisher aber nur mal angelesen. Aber als ausgewiesener Buffy-Connoisseur und Fan jeglichen Teenie-Dramas wollte ich es schon länger spielen.

 Monsterhearts ist ein Spiel, in dem es um (sexy) Monster, Teenagerängste, Horror und komplizierte Beziehungen geht. Harte Entscheidungen, Blut, Sex und Tränen sind die Zutaten, aus denen das Drama um Teenager-Monster entsteht. Das Spiel basiert auf Apocalypse World, das gespielte Szenario war The Blood of Misty Harbour (die Charaktere kann man hier herunterladen).

Herausgekommen ist eine Runde, die ich überschwänglich mit dem Wort „Grandios“ beschreiben möchte. Aber alles der Reihe nach.

Die Rundenausschreibung auf der Drachenzwinge habe ich eher zufällig gesehen. Neben Nocturama, die ich aus dem Tanelorn kenne und mit der ich länger das Buffy-Rollenspiel gespielt habe, waren noch die User Narrenspiel und Harry dabei, wobei letzterer den Spielleiter gab. Die Chemie in dieser Runde stimmte von Anfang an, denn alle zogen an einem Strang, um die Geschichte eskalieren zu lassen. Und trotz allen Dramas gab es auch viel zu lachen.

Als Skins (Charaktere) standen Leena the Mortal, Darius the Witch und Loretta the Queen zur Auswahl. Nocturama übernahm Leena, Narrenspiel wählte Darius, und da ich zuletzt dazu gestoßen war, übernahm ich Loretta. Die wäre aber auch meine erste Wahl gewesen, also passte das.

Die Ausgangssituation sah vor, das Leena und Loretta ein Paar waren, bis Loretta vor sechs Monaten unvermittelt Schluss machte. Jetzt ist Leena mit Darius zusammen, hängt aber immer noch ein bisschen an ihrer Ex. Darius ist als Sohn einer Hexe aufgewachsen, die ihm alles über seine Kräfte beigebracht hat. Leena ist die Tochter des Bürgermeisters, ihre Mutter ist vor etwa zwei Jahren spurlos verschwunden, man geht von einem Verbrechen aus. Loretta hat es zur Anführerin eines Dämonenkultes gebracht, die den Dämon Sören auf die Welt bringen wollen. Ja, der heißt wirklich so, steht so im Szenario. Und ja, es gab diverse Ikea-Witze.

Wir stiegen mit einer Szene in Leena Zuhause ins Spiel ein. Ihr Vater fragte, ob sie mit Darius zusammen wäre. Als Leena das bestätigte, verbot er ihr, sich weiter mit ihm zu treffen, da er nur Ärger bedeutete. Leena versprach, sich daran zu halten, obwohl sie Darius nicht verlieren wollte. Darius Tag begann dagegen damit, seine Mutter dabei zu überraschen, wie sie Teile des ermordeten Postboten verspeiste. Panisch ließ er sie zurück, nachdem sie ihm versprochen hatte, später alles zu erklären.

In der Schule erhielt Loretta eine Nachricht von Mira Waters, Berufsberaterin und Kultmitglied, der Kult müsse sich unbedingt treffen. Bei diesem Treffen erzählte Mira von Visionen, wie der Dämon beschworen werden könne. Dazu müsse in der übernächsten Nacht Leenas Blut vergossen werden. Loretta wies den Kult an, die Vorbereitungen zu treffen, doch Poe, ein Mitschüler, warf ihr vor, sie würde es niemals fertig bringen, ihre Ex zu opfern. Derart herausgefordert, ging Loretta auf Poe los. Der Move Lash Out Physically war angesagt. Da aber nur ein Teilerfolg erreicht wurde, musste ein Nebeneffekt gewählt werden. Ich wählte das Hervortreten von Lorettas Darkest Self – Loretta ließ Poe blutend zurück und eröffnete den anderen, das Fehler weit schlimmere Konsequenzen haben würden.

Beim Geschichtsunterricht trafen alle drei Charaktere das erste Mal aufeinander. Leena und Darius teilten einen kurzen Moment, in dem Darius Leena dazu bewegte, ihm zu helfen, falls der Lehrer es auf ihn abgesehen hätte (mit dem Move Turn Someone On). Loretta kam dazu und fragte Leena, was sie an diesem Waschlappen fände. Leenas Vorwürfe, sie wäre von Loretta schließlich verlassen worden, wischte diese beiseite (Move: Spurn Somebody). Die Ankunft von Mr. Roberts, des Geschichtslehrers, unterbracht diese Situation. Er zitierte die beiden Mädchen für später zu sich und begann, Darius über die Hausaufgaben zu befragen. Dieser behauptete sich gegen den Lehrer (Move: Hold Steady), der nach der Stunde in entsprechend schlechter Laune war, als er Leena und Loretta zurecht wies. Leena wollte ärger vermeiden, aber Loretta provozierte den Lehrer weiter, bis dieser schließlich beschloss, die Eltern der beiden anzurufen. Vor der Klasse kam es noch zu einer kurzen Szene zwischen den Mädchen, in der Loretta der nun vollends verwirrten Leena zärtlich sagte „Wenn du stark genug für mich bist, bin ich hier“. Der Move Turn Someone On war erfolgreich, so das Leena verunsichert zu ihrem Treffen mit Darius ging.

Darius und Leena sprachen über Leenas Vater. Trotz des Verbots wollte Leena Darius weiter sehen. Er schlug vor, zu Leena nach Haus zu kommen, damit ihr Vater ihn kennen lernen könne. Aber Leena war dagegen, da sie ja versprochen hatte, mit Darius Schluss zu machen. Die beiden würden sich also heimlich weiter Treffen.

Als Darius danach in sein Auto stieg, ging die Beifahrertür auf und Loretta setzte sich dazu. Sie wolle mit ihm reden, er solle zum Strand fahren. Leena sah den beiden hinterher, während der Wagen davon zog.

An dieser Stelle fragte Harry Narrenspiel, wie Darius zu Loretta stehe. Sie sagte, Darius habe Respekt vor ihr, denn zusammen wären die beiden in der Lage, großes Unheil anzurichten. Das passte mir gut in meine Karten, ich wollte nämlich Lorettas Sex Move ausprobieren, mit dem sie andere dazu bringen konnte, das zu tun, was sie wollte. Entsprechend nutzte sie während der Fahrt ihre Reize, um Darius zu verführen. Der Turn Someone On-Wurf gelang auch sehr gut, aber Darius' Hold Steady war ebenso gut. Darius ließ Loretta mitten in der Stadt am Straßenrand stehen.

Inzwischen war Leena zu Hause. Auf der Suche nach ihrem Vater ging sie in sein Arbeitszimmer. Er war nicht da, aber auf seinem Tisch fand sie diverse Briefe. Es waren Liebesbriefe an Esme Chime, Darius' Mutter. Während Leena noch darüber nachdachte, ob Darius ihr Bruder sei, kam ihr Vater zurück. Es kam zu einem heftigen Streit, in deren Verlauf Leena handgreiflich wurde. Allerdings beendete ihr Vater den Streit und schlug seine Tochter, die daraufhin aus dem Haus floh.

Die vor Wut kochende Loretta suchte derweil Mira Waters auf. Sie wollte ihre Rache an Darius mit ihrem Plan verbinden, Leena zum Ritual an den Strand zu bekommen. Sie befahl Mira, einen Gruppe Schläger zu Darius zu schicken. Mira verlangte im Gegenzug, dass die Beschwörung nur mit ihrer Zustimmung statt finden solle. Loretta stimmte zu. Da sie Macht abgab, erfüllte sie eine Bedingung, um ihrem Darkest Self zu entkommen.

Gerade rechtzeitig, denn bei ihr zu Hause wartete Leena auf sie. Der Anblick ihrer verletzten Freundin verleitete sie dazu, Darius als Schuldigen anzunehmen. Während Loretta Leena verarztete, nutzte Leena ihren Turn Someon On-Move. Es war ein Teilerfolg, und wir waren uns einig, das „Sich dir hingeben“ passte. Dadurch wurden die Sex Moves der Charaktere getriggert. Leenas Move bewirkte, dass Lorettas Darkest Self wieder zum Vorschein kam. Entsprechend distanziert war Loretta „danach“, und sie bat Leena, am nächsten Abend zum Strand zu kommen, um ein paar ihrer Freunde zu treffen. Durch Lorettas Sex Move stimmte Leena zu.

Darius war inzwischen Zu Hause, wo er und seine Magie benutzt hatte, um in den Abgrund zu schauen (sprich: Den Move Gaze Into The Abyss zu benutzen). Das Ritual hatte ihn vor einem Tor und Blut gewarnt. Aber statt diese Zeichen auf Leena zu beziehen, dachte er, es ginge darum, seine Mutter zu retten. Esme Chime gestand ihrem Sohn, dass sie ein Ghoul war. Sie war also tot, und das seit zwei Jahren. Darius verließ das Haus im Streit, um nach Leena zu suchen. Die hatte sich auf eine SMS hin, mit der er sie vor Loretta warnen wollte, nicht gemeldet. Nachdem er auch bei ihr zu Hause niemanden vorfand, fuhr er zu Loretta. Er ahnte Böses, denn inzwischen hatte ihn Poe mehrfach gewarnt, er und Leena wären in Gefahr.

Vor Lorettas Haustür fand er die beiden Mädchen in inniger Umarmung. Leenas erneut angewandter Turn Someone On war so erfolgreich, dass Loretta trotz ihres Darkest Self im Kuss dahinschmolz. Als Darius dazwischen ging, um Leena vor Loretta zu warnen, ging Loretta auf ihn los – Um ihrerseits Leena zu beschützen, da sie ja annahm, Darius habe sie geschlagen. Dabei verprügelte Loretta Darius ordentlich, während Leena die Flucht ergriff. Als dann noch die Kultisten auftauchten, die nach Darius suchten, befahl Loretta ihnen, Darius mitzunehmen, damit sie ihn im Ritual opfern könnten.

An dieser Stelle waren wir uns einig, dass alle Zeichen auf Showdown standen. Also schnitten wir zum Abend des Rituals. Darius lag gefesselt im Bootshaus, auf dem Steg brannten 15 Kerzen, und alles war für die Beschwörung des Dämons bereit. Als Leena wie versprochen auftauchte, versuchte Loretta, sie loszuwerden. Aber Poe forderte sie auf, endlich zur Sache zu kommen. Angesichts der Situation wurde Leena klar, was Loretta vor hatte. Von Leena angeklagt und von Poe provoziert, griff Loretta sich Poe, zerrte ihn in den Ritualkreis und stach ihm den Dolch ins Herz. Da sie damit einen Unschuldigen tötete, erfüllte sich eine weitere Bedingung, um ihrem Darkest Self zu entkommen. Mit Poes Leblosen Körper in den Armen wurde Loretta klar, was sie gerade tat.

Darius hatte sich inzwischen befreit. Nachdem ein Fluch gegen seine Bewacher nicht geholfen hatte, griff er sie an, wobei sich auch sein Darkest Self manifestierte. Flüche sprechen kam er aus dem Bootshaus, das hinter ihm in Flammen aufging.

Leena stand zwischen den beiden Personen, die ihr am meisten bedeutet hatten, und fühlte sich von allen verraten. Sie nahm den Dolch, den Loretta hatte fallen lassen. Während Darius auf Loretta losging und Loretta immer noch schockiert am Steg stand, öffnete Leena sich die Pulsadern. Während Darius und Loretta schockiert an ihrer Seite waren, brachte sie eine letzte Liebeserklärung hervor.

Dann tropfte ihr Blut in den Ozean, die Welt verfinsterte sich, und der Dämon stieg aus den Tiefen der Hölle herauf. Und ergriff Besitz von Leenas Körper.

An dieser Stelle brachen wir ab, denn es war unserer Meinung nach ein gelungener Schlusspunkt. Das Szenario besteht aus mehreren Folgen und kann weitergespielt werden, unter anderem mit Leena als Geist. Worauf ich große Lust habe, denn ich hatte sehr viel Spaß.

Wie schon gesagt, stimmte die Chemie in der Runde einfach. Wir haben uns die Bälle schön zugespielt, Vorlagen ausgenutzt und Zweideutigkeiten genutzt, um den Konflikt weiter eskalieren zu lassen. Den Plot um Darius' Mutter und Leenas Vater haben wir nicht gebraucht und deswegen auch nur angeschnitten. Es war eben ein One Shot, und da kann (oder muss) man schon mal volles Tempo fahren. Und das haben alle getan.

Abschließend kann ich sagen: Gerne wieder. Sowohl Monsterhearts, das mir sehr gut gefallen hat, als auch mit dieser Gruppe. Danke an meine Mitspieler und besonders an Harry, der es möglich gemacht hat, trotz schwierigen Zeitmanagements zu spielen. 

Übrigens: Zum Spielen haben wir Steffens übersetzte Regelreferenz benutzt. Wie üblich eine gelungene Arbeit, schaut sie euch also mal an.

Dienstag, 21. Mai 2013

Hannover spielt! 20 - Convention Royal

Schon wieder zu lange still hier. Man kommt ja zu nichts... Dabei liegt der geplante Bericht zur Hannover spielt! 20 schon einen Monat ungeschrieben brach. Bevor es noch länger dauert und ich es mal wieder gar nicht mache:

Hannover spielt! 20 am 20. und 21. April 2013. Seit 20 Jahren rockt diese Convention Hannover, und ich war zum nunmehr 20. Mal dabei. Ich verdränge mal Erinnerungen an die erste Hspielt, die ich als Teenager besucht habe, ebenso die Gedanken daran, wie die Zeit vergeht, und konzentriere mich aufs Wesentliche.

Seit ein paar Jahren ist der Austragungsort der Convention die Bürgerschule in der hannöverschen Nordstadt. Das Gebäude an sich ist schön und bietet diverse Räume, diesmal platzte es aber aus allen Nähten. Von etwa 600 Besuchern wurde gesprochen, was für die Location wirklich zu viel war. Hätte das jährlich Warhammer-Turnier stattgefunden, wäre definitiv Schluss gewesen.

Organisatorisch finde ich die Hspielt immer wieder sehr gelungen. Man merkt der Crew Erfahrung und Routine einfach an. Das übliche Gemecker über die Rundenaushänge war zwar zu hören, aber das hat man ja überall. Ich kann aus meiner SL-Sicht nur sagen, dass ich noch nie Probleme hatte. Der Kontakt war wie immer freundlich und auch eine kurzfristige Änderung an einer Rundenausschreibung war kein Problem. Nebenbei war es der Orga gelungen, mit John Kovalic und Robin D. Laws zwei internationale Ehrengäste anzulocken. Besonders letzterer fuhr diverse Programmpunkte, weswegen ich mich zeitweise ärgerte, drei Runden angeboten zu haben.

Aber die drei Runden haben Tradition. Ich fühle mich sehr mit dieser Convention verbunden und kenne auch die Leute, also tue ich gerne meinen bescheidenen Teil, um sie attraktiver zu machen. Nicht, dass ich viel dazu tun musste. Die Hspielt glänzt seit längerem mit einem sehr diversen Spielrundenangebot abseits der DSA-Shadowrun-Cthulhu-Hegemonie, die man anderswo oft findet. Im Regelfall findet man hier auch für abgefahrenere Sachen Spieler – Letztes Jahr habe ich z.B. Mentségur1244 erfolgreich anbieten können. Auch dieses Mal gab es von Barbarians of Lemuria über Space Pirates bis Ruh' Dich Nicht Aus wieder ein breites Angebot.

Am Samstag begann die Con für mich mit dem Treffen der hannöverschen und zugereisten Tanelornis. Dieses Jahr waren es nicht so viele wie noch im Vorjahr, aber es ist immer schon, sich mal „in natura“ zu sehen und etwas zu quatschen.

Meine erste Runde am Samstag war Panty Explosion Perfect. Unter dem Titel „MonsterHighschool Party“ fanden sich fünf mutige Spieler und Spielerinnen, die an einer japanischen Highschool auf Dämonenjagd gingen. Alle waren voll dabei, bereits die Charaktererschaffung war ein großer Spaß. Das Abenteuer selber verlief dann schwungvoll und lustig, mit einem würdigen Finale, das sogar ein paar Zuschauer anzog.

Weiter ging es dann mit einer Runde Colonial Gothic mit Fate to Go. Eigentlich wollte ich ja das System von Colonial Gothic nutzen – warum ich das nicht getan habe, ist einen eigenen Blogeintrag wert, sobald ich mal ausreichend schlechte Laune habe. So wurde es ein Horror-Abenteuer in den amerikanischen Kolonien um 1776. Im befreiten Boston galt es, eine Mordserie aufzuklären und mystische Vorkommnisse zu enträtseln. Auch hier hatte ich eine angenehme Runde an Spielern beisammen, die größtenteils keine Erfahrung mit Fate hatten, sich aber schnell zurecht fanden und ordentlich Tempo machten. Trotzdem musste ich zum Ende hin etwas straffen. Aber auch diese Runde war großes Kino.

Danach ging es noch mit den Hannoveranern in eine kleine Studentenkneipe in der Nordstadt, eine Kleinigkeit Essen und bis in die Nacht über Spiele fachsimpeln. Fazit des ersten Contags: Klasse.

Leider ging es Sonntag so nicht weiter. Ich hatte eine Runde Leverage angekündigt, auf die ich mich auch sehr freute. Immerhin wollte ich das System unbedingt mal antesten und hatte mir besondere Mühe in der Vorbereitung gegeben. Leider hatte ich überhaupt keine Chemie mit den Spielern, die letztendlich an meinem Tisch saßen. Da einer der Spiele überhaupt nicht kam, überredete ich kurzerhand Stefan aka Bombshell, sich uns anzuschließen. Aber die Spieleinstellungen am Tisch kollidierten so sehr miteinander, dass ich schließlich das Handtuch warf. Es lief einfach nicht. Für mich war das auch eine Premiere, bisher bin ich mit jeder Runde irgendwie klargekommen, hier war es aber nicht möglich.

So konnte ich noch den letzten Workshop von Robin D. Laws mitnehmen, der angenehm, aber nicht weltbewegend war. Der Tag klang dann mit netten Gesprächen aus. Das rettete mir die Hochstimmung, denn das Leverage-Debakel hatte mich schon runtergezogen.

Alles in allem wieder eine sehr schöne Hannover spielt, deren 20. ein würdiges Jubiläum war. Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich aber dennoch: Das Angebot im Café war schon mal besser, warme Speisen kann man zwar in der Umgebung ohne weiteres bekommen, aber das ist immer etwas umständlich. Außerdem gab es dieses Mal keine Schokoriegel (!!!) ! Die Locationlage in Hannover ist bekanntermaßen nicht einfach, aber die Bürgerschule ist, sofern die Besucherzahlen weiter steigen, nicht mehr groß genug. Wenn Tische auf dem Treppenabsatz mit dem Satz „Da hast du deine Ruhe“ verkauft werden, ist das ein guter Indikator.

Auf jeden Fall bin ich nächstes Jahr wieder dabei und kann jeden nur animieren, mal nach Hannover zu kommen.

Samstag, 30. März 2013

Muskets & Tomahawks - Probemalen

Für Muskets&Tomahawks habe ich mir kürzlich ein paar Miniaturen von Blue Moon Manufacturing gegönnt. Die Figuren sind zwar etwas größer als die bisher von mir benutzten Minis von Peter Pig, aber sie gefallen mir ausgesprochen gut. Die Details sind für den Maßstab ordentlich, die Posen abwechslungsreich. Auf 30 Figuren kommen bei den Regulars fünf verschiedene Posen, bei den Woodland Indians sind sogar nur einige Posen doppelt.

Trotz des Wetters konnte ich heute einige Figuren grundieren. Um verschiedene Farbschemata auszuprobieren, habe ich direkt zwei Figuren bemalt. Dabei diente der Indianer vor allem als Test für die Hautfarbe. Der erste Versuch mit Chocolate Brown, Medium Flesh und einer Mischung aus Medium Flesh und Flat Flesh (alle Farben von Vallejo), gefällt mir ganz gut. Die Farben werde ich also beibehalten.

Schwieriger war die Farbe des Uniformrocks für die Franzosen. Mitte des 18. Jahrhunderts war der Rock aus ungebleichter Wolle, also ein Wollweiß mit einem leichten Graustich. Mein erster Versuch besteht aus Light Grey, White Grey und Highlights in Weiß. Allerdings wirkt das meiner Meinung nach zu hell. Beim nöchsten Mal wird das letzte Highlight eine Mischung aus White Grey und White, vielleicht wirkt das besser.

Ansonsten hat der französische Linieninfanterist die Uniform des Regiments La Reine erhalten. Das Regiment trug in Europa eine Blaue Weste unter dem Rock, für das zweite Bataillon, das in Nordamerika diente, wurde 1755 vom Marineministerium eine neue Uniform mit roter Weste ausgegeben. Da die Figuren für den French and Indian War, wie der Siebenjährige Krieg in Amerika genannt wird, gedacht sind, habe ich die Variante mit roter Weste als Vorlage benutzt.

Mein Plan ist, bis Ende April drei Trupps zu je 12 Figuren fertig zu bekommen, je ein Mal Briten, Franzosen und Indianer, plus ein Anführer für jede Fraktion. Mal sehen, wie ich voran komme.